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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
Seite
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VIERTES KAPITEL.

Von Langenburg um das Nordende des Nyassa bis zur Grenze des deutschen Gebietes an der Mündung des Ssongue, sodann über Ipiana und Rutenganio nach Pilondo am Ssongue und über den Iwogo-Rücken und Ipiana zurück nach Langenburg.

Vom 14. bis 31. März 1896.

A. Verlauf der Reise.

Bei meinem Wiedereintreffen in Langenburg fanden sich die für die ferneren Reisen erforderlichen Träger dort bereits vor. Ich wandte mich daher nunmehr ohne Zögern dem Gebiete zwischen den Flüssen Ssongue und Kivira zu, in welchem nach dem früher Bemerkten die gegründetsten Aussichten für die Auffindung von Steinkohlen vorhanden waren.

Die erste Bereisung sollte im Wesentlichen einer Rekognoszirung dienen. Es wurde mit einer Umgehung des Nordendes des Sees begonnen. Dabei ergab sich, dass wohl die Mündungen des Ssongue und des Kivira, nicht aber diejenigen der übrigen im Norden in den See fliessenden Gewässer Gerolle von Kohlen und Brandschiefer führten. Der Kivira wurde hiernach auf seinem linken Ufer, über die Missionsstationen der Brüdergemeine Ipiana und Ruten­ganio, aufwärts verfolgt. Die Absicht, bald oberhalb Ipiana auf das rechte Flussufer überzugehen, wo die Bergformen günstige Aufschlüsse in Aussicht stellten, konnte nicht ausgeführt werden, da der gefällstarke Fluss in der immer noch andauernden Regenzeit zu hoch mit Wasser gefüllt war. Erst 12 km oberhalb Rutenganio, an einer Stelle, wo eine von der Natur gebildete Felsbrücke den Fluss überspannte, war ein Uebergang möglich.

Der Weitermarsch führte in südwestlicher Richtung durch das Hochland von Bundali nach Pilondo am Ssongue. Von da wurde zur Rückkehr nach dem See eine über den Iwogo-Rücken und unter dem Ostfusse des Kavolo- berges hinführende Route benutzt.

Das Ergebniss der Reise war, dass die beiden zuletztgenannten, zwischen dem Ssongue und dem Kivira in nord-siicUicher Richtung verlaufenden, aus Sandsteinen mit östlichem Einfallen bestehenden Bergzüge des Iwogo und Kavolo, die hier den Uebergang zwischen dem Flachlandsgebiete am See und dem Hochlande von Bundali bildeten, als die Ursprungsstätten der im Ssongue und Kivira auftretenden Kohlengerölle erkannt wurden.

Die Aufsuchung und nähere Untersuchung der in den Bergen anstehenden Lagerstätten musste einer späteren Reise Vorbehalten bleiben. Verschiedene Umstände zwangen dazu, zunächst die Station Langenburg wieder aufzusuchen.