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Zweites Kapitel. B.
der südlichen Route in den letztvergangenen Monaten wieder, wie so oft schon, Schaaren räuberischer Wangoni hatten sehen lassen, v. Eltz sollte auf dem Marsche die Herkunft der Uebelthäter festzustellen und unter Vermeidung eines kriegerischen Vorgehens, durch Ermahnung und Verwarnung der im Allgemeinen als regierungsfreundlich bekannten Wangoni-Häuptlinge, auf ein künftiges friedlicheres Verhalten ihrer Unterthanen hinzuwirken suchen.
Der Umstand, dass auf der südlichen Route ebenso wie auf der nördlichen längere Strecken unbewohnten Gebietes durchquert und daher beträchtliche Mengen von Verpflegungsmitteln für die Träger von der Küste mitgenommen werden mussten, war bekannt. Nicht genügend bekannt war aber, dass diese Strecken im Süden erheblich länger waren als im Norden. Erst in Lindi, nachdem die getroffenen Anordnungen nicht mehr rückgängig zu machen waren, erfuhren wir, dass uns auf der Südroute ein achtzehntägiger Marsch durch unbewohntes Gebiet — von Massassi bis zu den ersten Siedelungen der Wangoni bei Ssongea — bevorstand, und dass wir uns, da auch das Gebiet bis Massassi Nahrungsmittel für eine Karawane von 800 Köpfen (um diese Zahl handelte es sich bei uns) nicht aufzubringen vermochte, auch für diese erste Strecke, ins- gesammt daher für eine Zeit von siebenundzwanzig Tagen, an der Küste zu verproviantiren hatten. Demgegenüber würde auf der Kilwa-Route der Marsch durch unbewohntes Gebiet nur zwölf, der gesammte Marsch von der Küste bis zu den ersten an Nahrungsmitteln reichen Wangoni-Dörfern höchstens zwanzig Tage gedauert haben. Wir würden auf jener Route daher den Transport von sieben Tagesrationen für die gesammte Trägerkolonne haben ersparen können.
Am 27. Dezember 1895 schifften wir uns mit 650 Lasten, die zum überwiegenden Theil Bedarfsgegenstände für die Station Langenburg und den Wissmann-Dampfer enthielten, auf dem Gouvernements-Dampfer »Rufiyi« von Dar-es-Salam nach Lindi ein.
In Lindi, das nach dreitägiger stürmischer Eahrt erreicht wurde, hatten wir volle vierzehn Tage zu warten, bis die nöthige Trägerzahl, die grossen- theils erst von Kilwa und Mikindani herangezogen werden musste, versammelt war. Ich habe diese Zeit zu einer Reihe kleinerer Ausflüge in die Umgebung der Stadt Lindi benutzt.
Von den nahezu 800 Trägern, die nach langer Mühe endlich zusammenkamen, waren 120 allein dazu erforderlich, um die zur Verpflegung der Karawane erforderlichen Reislasten fortzuschaffen. Die Aufbringung einer so grossen Zahl von Trägern ist im Süden des Schutzgebietes ungleich schwieriger als im Norden, wo der Karawanenverkehr viel grössere Bedeutung besitzt. Die Mannschaft bestand denn auch nur zum geringen Theil aus geschulten, marschgewohnten Ttägern. Meist waren es Feldarbeiter, Sklaven, die von ihren Herren für die Expedition hergeliehen wurden. Viele von ihnen waren den Anstrengungen des Marsches durchaus nicht gewachsen. Sie sind uns im Verlaufe der Reise zu einer ständigen Quelle der Sorge, des Aergers und des Aufenthaltes geworden.
Zur Bedeckung wurden der Karawane fünfundzwanzig Askari unter der Führung des Feldwebels Hägele beigegeben.
B. Verlauf der Reise.
Am 13. Januar brach die Karawane von Lindi auf. Zum Marsche bis Massassi waren neun Tage erforderlich, eine Zeit, deren Länge sich daraus erklärt, dass die noch ungeübte Trägermannschaft erst allmählich an die An- stiengungen des Marsches gewöhnt werden musste. In Massassi, dicht bei der