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Denkschrift zur Förderung des Deutschtums in China / Deutsche Vereinigung Schanghai
Entstehung
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Schlußbetrachtung.

Der deutsche I "'S j st schon in anderm Zusammenhange ausgeführt, daß an Chinas

au mann m a | ^ Gesamteinfuhr heute England nebst Kolonien mit 46%, Japan mit 20 Vi %, und sein Handel. & .

Amerika mit 10'/2%, Deutschland aber nur mit 7 3 A°/o beteiligt sind. Ein

anderes Bild als diesen geringen Prozentsatz, zu dem deutsche Waren an der

Einfuhr nach China teilnehmen, gewinnt man, wenn man nur die Tätigkeit des

deutschen Kaufmanns in China in Betracht zieht, d. h. den durch ihn überhaupt

vermittelten Handel in deutschen, englischen, amerikanischen und andern fremden

Waren. Schätzungsweise wird angenommen, daß etwa für 250 Millionen Mark

Einfuhrware gleich 19% der Gesamteinfuhr Chinas durch seine Hände gehen;

an dem gesamten Ausfuhrhandel Chinas ist er sogar mit 290 Millionen Mark

gleich 28% beteiligt. In dem aufblühenden Hankau vermitteln die deutschen

Firmen, abgesehen von Tee, drei Viertel des gesamten Ausfuhrhandels. In

Kanton sind von dem für fremde Firmen in Betracht kommenden Geschäft

60% der Einfuhr und 34 %> der Ausfuhr in deutschen Händen.

Wie die Verhältnisse liegen, kommt die auf den Absatz fremder Waren gerichtete Tätigkeit des deutschen Kaufmanns in Ostasien mehr den industriellen Erzeugnissen unserer Gegner als den eigenen zu gute. Das wird sich auch nicht ändern, wenn Deutschland sich nicht aufrafft und gegen die großzügige Propaganda seiner Gegner mit gleichen Mitteln entschiedene Front macht. Denn der deutsche Kaufmann allein hat es nicht in der Hand, den entscheidenden Einfluß auszuüben. Aber es mußte auf die vorhin genannten Ziffern hin­gewiesen werden, um zu zeigen, daß er den Anforderungen genügt, sobald nur die übrigen Voraussetzungen gegeben sind, den chinesischen Markt für die Erzeugnisse der deutschen Industrie zu erobern.

In einer Hinsicht allerdings ist er rückständig, zwar nicht gegenüber seinen Konkurrenten, wohl aber gegenüber den Verhältnissen; das ist sein Verhältnis zur chinesischen Sprache. Abgesehen von Nord-China hat er sich der Erlernung der Landessprache nicht in genügendem Maße gewidmet und sich dadurch eines wertvollen Mittels in wirtschaftlichen Kampf begeben. Aber darin wird heute schon Wandel geschaffen.

Es ist hier auch der Platz, darauf hinzuweisen, daß die Vorteile, die sich aus der Durchführung unseres Programms ergeben sollen, viel weniger dem deutschen Kaufmann Ostasiens als der deutschen Industrie und im weiteren Sinne dem ganzen deutschen Volk zu gute kommen werden. Der deutsche Kaufmann in Ostasien braucht für seine Zukunft nicht besorgt zu sein, denn erfahrungsgemäß hat er sich bisher überall behaupten können. Er wird immer einen hohen Prozentsatz des chinesischen Außenhandels in der Hand behalten, selbst wenn deutsche Waren ganz von Chinas Märkten verschwinden sollten. Die letzte Noch einmal und wahrscheinlich zum letztenmal ist die Gelegenheit ge­

Gelegenheit, geben, in den Gang der Ereignisse einzugreifen; wird sie jetzt nicht wahr­genommen, so erlangen England, Amerika und Japan einen derartigen Vorsprung,

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