so muß er wieder nach Deutschland zurück, weil seine Urlaubszeit abläuft. Sein Nachfolger, ohne Kenntnis der chinesischen Sprache und Verhältnisse, muß wieder von vorne anfangen, um später das gleiche Schicksal zu erleben.
Diese Verhältnisse sind unhaltbar. Man schaffe dem Lehrer in China eine Lebensstellung und verlange von seiner Aufopferungsfähigkeit nichts Unbilliges. An arbeitsfreudigen Kräften wird es bei dem Idealismus, der in der deutschen Lehrerschaft herrscht, dann nicht fehlen.
Auf einem Gebiete läßt sich der Vorsprung Englands und Amerikas, der Übersetzungsfrüher einen Konkurrenzkampf ganz aussichtslos erscheinen ließ, mit einem anstalt. Schlage einholen, nämlich in der Lehrmittelliteratur. Hier herrscht zurzeit absolutes Chaos; die bisherigen Lehrmittel, verfaßt unter der Voraussetzung der Mandschuherrschaft, sind unbrauchbar geworden und Neues ist noch nicht vorhanden. Mit rücksichtsloser Skrupellosigkeit haben England und Amerika ihre beherrschende Stellung auf diesem Gebiete ausgenutzt.
Es gibt zum Beispiel Schulatlanten, auf denen Deutschland neben dem mit Städten übersäten England nur mit Heidelberg und noch einer kleinen Stadt vertreten ist. Zuweilen geht man sogar soweit, die Existenz Deutschlands und seines Bundesgenossen Osterreich glatt zu unterschlagen. In einem bereits in mehreren Auflagen erschienenen Lehrbuch des kantonesischen Dialekts, das von einem Engländer verfaßt ist, heißt es wörtlich wie folgt: „England is in the Continent of Europe, so is France, Spain, Portugal, Italy, Holland, Russia and Turkey, all of those are in Europa." Von Deutschland kein Wort. Gegen derartige bewußte Fälschungen sind wir machtlos, wenn wir nicht eine eigene Lehrmittelliteratur schaffen. Es sollte deswegen von uns eine Ubersetzungsanstalt eingerichtet werden, deren Aufgabe darin bestehen würde, in systematischer Weise einen Lehrmittel-Apparat in chinesischer Sprache für die chinesischen Staats- und Privatschulen zu schaffen, also insbesondere Schulbücher, Universitätslehrbücher, Atlanten usw. Ein Vertriebsbureau müßte angegliedert werden, um die Bücher auf den Markt zu bringen. Herumreisende Angestellte würden die nötige Propaganda machen, und die Fühlung mit den einzelnen chinesischen Schulen aufrecht erhalten.
Wir sollten uns auch nicht auf die Lehrmittelliteratur beschränken. Die chinesische Leserwelt ist jetzt nach fremder Kost hungrig. Wenn wir die Gelegenheit ergreifen, den Büchermarkt mit den Schätzen unserer Literatur in guter Ubersetzung und zu billigen Preisen in ähnlicher Weise wie es seitens der Engländer und Amerikaner seit Jahren geschieht, zu versorgen, könnten wir eine weiter reichende Wirkung ausüben. Insbesondere Biographieen, Geschichtswerke, philosophische und naturwissenschaftliche Abhandlungen würden neben schöner Literatur zu Tausenden Abnehmer finden. In geeigneten Augenblicken könnten auch kurze Broschüren über brennende Tagesfragen auf den Markt geworfen und dadurch dem chinesischen Volksempfinden die jeweilige Lage vom Standpunkt unserer Interessen beleuchtet werden.
Es gibt zurzeit eine Anzahl vorzüglicher chinesischer Gelehrter, die beschäftigungslos sind und zum Teil in den traurigsten Verhältnissen leben.
27
t