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Denkschrift zur Förderung des Deutschtums in China / Deutsche Vereinigung Schanghai
Entstehung
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"inanz.

zu geben und würde Mittel und Wege finden, deutschen Einfluß bei den Chinesen zur Geltung zu bringen.

Ohne diesen Rückhalt werden unsere Bestrebungen in der Luft hängen, zumal uns nicht die reichen Mittel zur Verfügung stehen, die England und namentlich auch Amerika aufwenden können. Amerika krankt zwar an den gleichen Systemmängeln, wie wir, gleicht aber durch die Wucht seines Kapitals manches wieder aus und hat es vermocht, sich auch ohne eine gute Organisation in China zur Geltung zu bringen.

Auch das Verhalten unserer Finanz hat sehr dazu beigetragen, daß von uns in China nicht mehr erreicht ist. Während die englische Hochfinanz in vorausschauender Weise dem Absatz englischer Waren die Wege ebnete, indem sie stets rechtzeitig zur Stelle war, wo es galt kommerzielle, industrielle und Verkehrsunternehmungen in China zu finanzieren, hat die deutsche Finanz sich immer ablehnend verhalten und ist dadurch zu oft ins Hintertreffen geraten. Ubergroße Ängstlichkeit und Mangel an Unternehmungslust, formale Bedenken und ungenügende Anpassungsfähigkeit an chinesische Verhältnisse haben eine unwiederbringliche Gelegenheit nach der andern unbenutzt vorübergehen lassen. Noch vor 15 Jahren hätte Deutschland sich den Bau der wichtigsten Bahnen Chinas sichern können. Auch an die Geschichte der Szetschuan-Bahn muß hier erinnert werden und an den kürzlich vollzogenen Ubergang der Lanschau-Gruben, eines der bedeutendsten Kohlenfelder Nordchinas, in englische Hände. An den chinesischen Eisenbahnanleihen ist englisches Kapital mit 54 °/o, deutsches nur mit 20 °/o beteiligt. Im gleichen Verhältnis sind die Aufträge für Lieferungen des Materials der Industrie der betreffenden Länder zu gute gekommen. Es hat den Anschein, als ob die Organisation der deutschen Finanz in China an schweren Systemmängeln leidet. Welche Interessengegensätze ein erfolgreiches Arbeiten verhindern, läßt sich hier nicht genügend übersehen. Die handgreif­lichen Erfolge, die das englische Kapital gehabt hat, sollten auch unsere Finanz überzeugen, daß es notwendig ist, die bisherige Zurückhaltung aufzugeben. Mehrfach ist die Frage der Errichtung einer neuen deutschen Industrie - Bank ventiliert worden; vom Standpunkte der deutschen Interessen wäre es nur zu begrüßen, wenn dieser Plan sich verwirklichte. Deutsche Sprache. Der Schwerpunkt für den Erfolg unserer Bestrebungen, den chinesischen Markt für die deutsche Industrie zu erobern, liegt in der Frage, ob wir ent­schlossen sind, den Kampf gegen die Herrschaft der englischen Sprache auf­zunehmen. Der Satz, daß der Handel der Sprache folgt, mag man über seine Richtigkeit sonst denken wie man will, ist für China durch die Erfahrung genügend bewiesen. Das junge China ist begierig, sich die Errungenschaften der abendländischen Kultur anzueignen; die fremde Sprache, die ihm dabei als Hülfsmittel dient, ist berufen, den entscheidenden Faktor im wirtschaftlichen Kampf zu spielen. Wir können daher nicht darauf verzichten, in den Kreisen, die für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas maßgebend sein werden, deutsche Sprache und deutsche Kultur in derartigem Umfang zu verbreiten, daß ein Gegengewicht gegen die rapid anwachsende englisch-amerikanische Gefolgschaft

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