Marktes.
Das Interesse für China ist in Deutschland vorläufig noch gering. Wenn Wichtigkeit des man von den den Zwischenhandel vermittelnden Hansestädten und den industriellen chinesischen Kreisen, die ihre Waren schon zurzeit auf dem chinesischen Markt absetzen, absieht, so bedeutet China für die breiteren Schichten des deutschen Volkes noch nicht mehr als ein im fernen Osten liegendes interessantes Land. Der Gedanke, daß unsere wirtschaftliche Weltmachtstellung für die Zukunft hier in Frage steht, ist erst das Eigentum Weniger. Der Ausbau unserer Wehrmacht, die Erschließung unserer Kolonien, der Gegensatz zu England und innere politische Kämpfe haben die Augen von dem großen wirtschaftlichen Kampffeld der Zukunft abgelenkt. Ein Land, in dessen Grenzen etwa sechsmal soviel Menschen wohnen wie in Deutschland, das mehr als ein Fünftel aller Erdbewohner faßt, dessen räumliche Ausdehnung größer als ganz Europa und zwanzigmal so groß wie Deutschland ist, kann unbedenklich als das größte, noch nicht vergebene Absatzgebiet der Erde angesehen werden. Mag die Entscheidung um die politische Vorherrschaft auf dem Stillen Ozean, dem Mittelmeer der Zukunft, auch zwischen Japan und den Vereinigten Staaten fallen, an dem wirtschaftlichen Kampf um den chinesischen Markt sind die großen Welthandelsnationen England, Deutschland, die Vereinigten Staaten und Japan in gleicher Weise beteiligt und interessiert. In England ist dieser Gedanke längst Allgemeingut des Volkes geworden; um nur ein Beispiel zu nennen, sei daran erinnert, daß dort kürzlich für eine englisch-chinesische Universität in wenigen Monaten die ansehnliche Summe von 5 Millionen Mark im Wege der Sammlung aufgebracht worden ist. Ahnlich liegen die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten, die kürzlich 12 Millionen Mark allein für technische Schulen in China zur Verfügung gestellt haben. Auch Japan findet trotz aller seiner Finanznöte immer wieder Mittel, eine umfangreiche und kostspielige Propaganda in China zu treiben. Es wäre absurd, anzunehmen, daß die vielen Millionen, die von unseren vorgenannten Weltmarktskonkurrenten für kulturelle Zwecke in China angelegt werden, der Ausfluß ideeller oder humanitärer Regungen und nicht vielmehr der eines gesunden Egoismus und eines sicheren merkantilen Instinktes sind. Die Uberzeugung von der einschneidenden Wirkung, die der chinesische Markt in einer nahen Zukunft haben wird, ist es, die unsere Gegner veranlaßt hat, ihre Anstrengungen von Jahr zu Jahr zu steigern. Nicht krämerhafte Berechnung, die ihr Geld von heute in einen Gewinn von morgen umgesetzt sehen möchte, sondern eine großzügige und weitausschauende Wirtschaftspolitik arbeitet hier an einer großen Aufgabe im Sinne des imperialistischen Gedankens.
Die Frage, ob Deutschland in Zukunft ohne den chinesischen Markt auskommen kann, muß unbedingt verneint werden. Der deutsche Außenhandel hat heute einen derartigen Umfang angenommen, daß er dem englischen beinahe gleichkommt. Will er sich seine Entwicklungsmöglichkeiten nicht beschneiden, so darf er sich nicht von dem fast einzigen, noch nicht vergebenen Absatzgebiet großen Stils verdrängen lassen. Stillstand ist auch hier dem Rückschritt gleich. Mag seine Industrie zurzeit auch noch voll beschäftigt sein, so
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