des Landes sollen erschlossen werden. So sind überall neue Kräfte tätig, um China, dessen Gesamthandel in den letzten 10 Jahren schon auf das Doppelte angewachsen ist, zu einem modernen Wirtschaftsstaat großen Stils zu machen.
Chinas Sind nunmehr die künstlichen Schranken gefallen, so sind die übrigen
wirtschaftliche Voraussetzungen für Chinas wirtschaftliche Entwicklung gegeben; eine arbeit-
« v'li Un ^ S same, geschickte Bevölkerung, zahlreiche, gute Wasserstraßen, damit verbundene moglichkeiten. & & ' ' & '
billige Inlandsfrachten und vor allem unermeßlich reiche Bodenschätze. Was insbesondere die letzteren anbelangt, so kann man unbedenklich China als eins der reichsten Länder der Erde bezeichnen. Kohle, Eisen, Gold, Petroleum, Silber, Kupfer, Zink, Zinn, Blei und Antimon sind in großen abbauwürdigen Lagern vorhanden; insbesondere sind die Provinzen Szetschuan, Schansi, Kueitscheu, Hunan, Kiangsi, Honan, Hupeh, Kansu, Schantung und Yünnan reich an Mineralien. Richthofen schätzt die Anthrazitkohlenlager Schansis größer als die Pennsylvaniens. Kohle und Eisen kommen fast überall vor, somit sind die hauptsächlichsten Voraussetzungen für die Entwicklung einer umfangreichen Industrie gegeben.
In den mit Hebung der Bodenschätze Chinas in Zusammenhang stehenden Zweigen und in der Versorgung mit dem für seine umfassenden Eisenbahnpläne erforderlichen Material darf man mit Recht die größten Aussichten des fremden Importhandels erblicken. Aber auch an den reichen Naturprodukten des Landes wie Seide, Baumwolle, Schafwolle, Häute, Felle, Hanf, Bohnen, Sesamumsaat, Erdnüsse, Gallnüsse, vegetabilischer Talg, Öle, Kampher, Moschus, Strohborten, Borsten, Tabak, Holz und Bambus werden sich, sobald die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen primitiven Bearbeitungsmethoden allgemein aufgegeben ist, umfangreiche Industrien entwickeln lassen.
In allen Gebieten, die durch Bahnbauten einem gesteigerten Verkehr zugänglich werden, wachsen sofort die Ansprüche an die Lebenshaltung; wie heute schon Zigaretten und Petroleum in einer Reihe von Provinzen bis an die entferntesten Dörfer gedrungen sind, so werden unsere westländischen, die kleinen Bedürfnisse des täglichen Lebens befriedigenden Waren ihren Weg finden und ein Absatzgebiet eröffnen, von dessen Größe man sich heute kaum eine Vorstellung machen kann und das vor allem bestimmt zu sein scheint, der deutschen Industrie mit ihren vielen Artikeln ein reiches Absatzgebiet zu eröffnen. Ein Bild von der voraussichtlichen Entwicklung kann man sich machen, wenn man zum Vergleich das Anwachsen des japanischen Handels während der letzten 30 Jahre heranzieht. Japans Gesamtaußenhandel ist von 1882 bis 1911 von 136 Millionen Mark auf 1917 Millionen Mark gestiegen, also auf das vierzehnfache angewachsen. Die Mär von der orientalischen Bedürfnislosigkeit ist endgültig zerstört. Dabei ist Japan im Vergleich zu China ein kleines, und was natürlichen Reichtum anbelangt, sogar armes Land. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird in China eine neue wirtschaftliche Welt entstehen, die alles Dagewesene in den Schatten stellen dürfte; nicht sprunghaft von heute auf morgen, aber mit der Kraft einer Naturgewalt in stetiger, unaufhaltbarer Entwicklung.
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