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Fürst Bismarck und die Kolonialpolitik / von Kurt Herrfurth
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V. Die Entwicklung der Verwaltung in den Schutzgebieten usw. 165

die Ansicht, es würde ihm in der Tat gelingen, für Deutschland Kolonien zu erwerben, deren Behauptung und Bewirtschaftung dein Reiche so gut wie nichts kosten würden. Allerdings ist unzweifelhaft, daß Bismarck sich damit in guten: Glauben befunden hat. Denn die Gebiete im nördlichen Westafrika waren tatsächlich bereits in den Händen deutscher Firmen. In Südwestafrika glaubte er es ebenfalls lediglich mit dem nominellen Schutze einer großen kauf­männischen Unternehmung zu tun zu haben. Die Bewirtschaftung und Verwaltung der Gebiete in der Südsee wollten leistungsfähige deutsche Kapitalisten übernehmen. Von Ostafrika konnte er sich zu der Zeit, als er sein Programm entwickelte, noch kein rechtes Bild machen, da dieses Land erst später erworben wurde; jedenfalls durfte er aber nach seinen Informationen aus den in erster Linie beteiligtet: Kreisen an­nehmen, daß die Schritte, die das Reich seinem Programme gemäß tun sollte, genügen würden, nur den überseeischen Gebieten den nötigen Schutz zu gewähren. Andererseits mußte das Ansehen des aus der Höhe seiner Macht stehenden Deutschen Reiches in Verbindung mit der Entsendung einiger konsularischer Beamten und der gelegentlichen Aussendung eines Kriegsschiffes genügen, die Unternehmungen zu fördern und zu schützen. An der Lebensfähigkeit und dem Gewinn der in Frage stehenden Geschäfte und konzessionierten Gesellschaften zu zweifeln, kam den Fürsten durchaus nicht in den Sinn. Wären ernstere Zweifel bei dem Kanzler aufgestiegen, so hätte wohl von Anfang an das Verwaltungssystem ein anderes Aussehen erhalten. Auch von feiten des Auslandes befürchtete er keinen ernsten Widerspruch. Die weitere Entwicklung sollte jedoch bald zeigen, daß die fortschreitende deutsche Kolonialpolitik solche Opfer und Anstrengungen kostete, wie sie im Anfang niemand hatte voraussehen können.

^. Südwestafrika.

Wenn auch dem Fürsten Bismarck bei der Erwerbung der deutschen Besitzungen in Südwestafrika von feiten fremder Mächte alle möglichen Schwierigkeiten entgegengestellt wurden, so türmten sich für ihn noch viel bedeutendere Unbequemlichkeiten dadurch auf, daß die Firma, auf deren