Kapitel IV.
Die Erwerbung der einzelnen deutschen Kolonien zur Zeit Bismarcks').
^. Angra Pequena.
In dem damals noch völkerrechtlich herrenlosen, im Norden deS Oranjeflusses gelegenen, von den Namas und Hereros bewohnten Gebiete von Südwestafrika war schon seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Rheinische Missionsgesellschaft tätig gewesen. Es war ihr gelungen, einen Teil der dortigen Bevölkerung dein Christentum zuzuführen, wenn auch einein gedeihlichen Wirken der Missionare sich andauernd Hindernisse in den Weg stellten, welche durch die fortwährenden Kämpfe zwischen den das Hinterland bewohnenden, von Viehzucht lebenden und sich eines gewissen Wohlstandes erfreuenden Hereros und ihren südlichen Nachbarn, den Namns, hervorgerufen wurden. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts veranlaßten das Aufblühen des Gebietes, in dem die Rheinische Mission tätig war, und die Versuche der Buren, die Wnlfischbai zu erwerben, die Regierung der Kapkolonie, die Erwerbung des Hauptteiles des Hererolandes ins Auge zu fassen. Die großbritannische Regierung ging jedoch hierauf nicht ein, sondern beschränkte sich daraus, lediglich von der Walfischbai und deren nächster Umgebung Besitz zu ergreifen (1876).
In der Folgezeit hatte die Rheinische Missionsgesellschaft viel unter den Kämpfen der Eingeborenen untereinander zu leiden, so daß sie sich im Jahre 1880 entschloß, der deutschen Reichsregierung Vorstellungen über
i) Literatur, vgl. Kap. I, S. 1, Anm. 1. — Vgl. auch Hasse, Artikel „Kolonien und Kolonialpolitik", im Handwörterbuch der Staatswissenschasten. — Lamprecht, Deutsche Geschichte, II. Ergänzungsband, 2. Hälfte, S. 633—670. — Dietrich Schäfer, Kolomalgeschichle, (Sammlung Göschen).