Wenn in vergangenen Jahrzehnten das Gespenst eines großen Krieges sein Haupt erhob, dann handelte es sich zumeist um gewichtige Fragen des Länderbesitzes in unserem heimatlichen Weltteil. Ein Geschichtsschreiber der Zukunft dagegen wird den Anfang unseres Jahrhunderts als den Beginn einer neuen Zeit bezeichnen müssen. Zum ersten Male erwächst dem Frieden Europas eine unmittelbare Gefahr aus dem Streben der Volker, ihren kolonialen Besitz zu erweitern. Eine starke und fühlbare Andeutung dieser Gefährdung enthielten bereits die Ereignisse, die sich vor einem Jahrzehnt in Südafrika abspielten. Die letzten Monate aber haben selbst dem Weltfremdesten unter uns gezeigt, wie die Zeit für immer dahin ist, in der das gegenseitige Verhältnis der europäischen Staaten lediglich von den Ereignissen im eigenen Kontinent bestimmt wurde.
Wir werden diese Bedeutung überseeischer Gebiete, die ihnen ehedem niemand zugetraut hätte, richtig würdigen, wenn wir uns über die Ursache der Sinnesänderung bei den europäischen Völkern und Regierungen klar geworden sind. Bis zu einem gewissen Grade gab Deutschlands vorgehen im Jahre 1884 den äußeren Anstoß zu dem immer lebhafteren Wettbewerb, der sich naturgemäß am stärksten in der größten damals noch freien Ländermasse, d. h. in Afrika, entspann. Die überragende Persönlichkeit eines Bismarck genügte freilich, um selbst den Versuch eines Widerspruchs gegen unsere ersten Flaggenhissungen im Reime zu ersticken. Die berühmt gewordene Wirkung seiner an unseren Generalkonsul in Kapstadt gerichteten Depesche aus jener Zeit zeigt, was ein Kanzler des Deutschen Reiches selbst England gegenüber mit einer energischen Sprache durchzusetzen vermag. Aber wenn sich auf diese Weise auch der Erwerb unserer fremdländischen Gebiete ohne äußere Hemmungen vollzog, so genügte doch die bloße Tatsache unseres Erscheinens auf afrikanischem Boden, um auch die anderen Staaten