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Aus Kiautschous Verwaltung : die Land-, Steuer- und Zollpolitik des Kiautschougebietes / von W. Schrameier
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Über die Zunahme der Bevölkerung gibt die im Juli 1913 erfolgte Volkszählung Aufschluß. In der neugegründeten Stadt, umfassend die Europäerstadt Tsingtau, die chinesische Geschäfts- stadt Tapautau und die beiden in Erbbau vergebenen Vorstädte Taitungschen und Taihsitschen, wohnten 60484 Personen, darunter 1855 Deutsche, 61 Russen, 51 Engländer, 156 Japaner und 53312 Chinesen. Vor 3 Jahren betrug die Bevölkerung 40264 Personen; sie hat also eine Zunahme von 50% erfahren. Die Einwohner­zahl des ganzen Schutzgebietes zählte 191984 Köpfe, was gegen die Zählung von 1910 eine Zunahme von 15% bedeutet.

Längst haben sich der ursprünglich angelegte Bebauungsplan und das weitläufige Straßennetz, die wegen ihrer Großzügigkeit manchen öffentlichen Tadel erfuhren, als zu klein erwiesen; die ursprünglich auseinanderliegenden Stadtteile sind zusammenge­wachsen und nahezu alle im Stadtgebiete ausgelegten Grundstücke verkauft.

Der Gesamtwert des über Tsingtau geleiteten Handels betrug im Jahre 1912 fast 180 Mill. Mk., 41 Mill. mehr als im Jahre 1911; 727 Schiffe mit 1,14 Mill. Netto Beg.-To. liefen den Hafen an; die Schantung-Eisenbahngesellschaft konnte eine Dividende von 772% verteilen und 70000 Mk. an die Schutzgebietverwal­tung abführen; der Bau einer weiteren Bahn vom Schutzgebiete aus nach dem Süden der Provinz Schantung ist gesichert und in allernächster Zeit zu erwarten.

Die anfänglich ausgesprochene Befürchtung, daß durch die Landordnung Ansiedler ferngehalten wer­den würden, hat sich also in keiner Weise verwirk­licht: es dürfte wenige Plätze an der chinesischen Küste geben, die ein derartig schnelles Wachstum in den Entwicklungsjahren aufzuweisen haben. Wenn irgend etwas, so spricht gerade dieser Umstand für die Gesundheit der im Kiautschougebiete getroffenen Einrichtungen.

IV. Die Landordnung Kiantschous in ihrer Stellung zur

Bodenreform.

Man hat die Landordnung von Kiautschou ihrer eigenartigen sozialen Bedeutung halber vielfach mit den Lehren der Boden­reformer, besonders deren geistreichsten Vertreters, Henry George, in Zusammenhang gebracht. Es ist in der Tat ein merk-