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Unsere Kolonien / von Heinrich Schnee
Entstehung
Seite
162
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^62 Kaiser wilhclmsland und Bismarckarchipel.

6) Plantagenwirtschaft und sonstige europäische Unternehmungen.

Ungleich bessere Aussichten als Handel und Eingeborcncn- produktion hat in Neu-Guinea der Plantagenbau. Für Pflanzungszwecke geeignetes fruchtbares Land ist in Kaiser Wil­helmsland wie auf allen größeren Inseln in Menge vorhanden.

Allerdings haben sich auf dem Festland Neu-Guinea die Gesundheitsverhältnisse als hinderlich für die Entwicklung der plantagenuntcrnehmungen gezeigt. Dort ist das Klima in den tiefer gelegenen Teilen als sehr ungesund zu betrachten. Malaria und Schwarzwasserfieber haben nicht nur einen beständigen Wechsel des weißen Personals, von wenigen Ausnahmen abgesehen, son­dern bisweilen selbst ein vollständiges Stocken der Arbeit herbei­geführt. Auch in die Reihen der eingeführten farbigen Arbeiter, sowohl der Chinesen und Malaien, wie auch der aus dem Bis­marckarchipel stammenden, haben die klimatischen Krankheiten ge­waltige Lücken gerissen. Trotzdem ist es der ausdauernden Energie der Neu-Guinea-Kompanie gelungen, in Kaiser Wilhelmsland umfangreiche Plantagen zu schaffen, welche nach mannigfachen anfänglichen Fehlschlägen gute Erfolge versprechen.

Im Bismarckarchipel liegen die Verhältnisse in gesundheit­licher Beziehung erheblich günstiger. Das Klima ist, was Tem­peratur anbetrifft, in den meisten Gebieten des Bismarckarchipels recht erträglich und beispielsweise bedeutend angenehmer, als an vielen Plätzen der intensiv kultivierten holländischen Muster­kolonie Java. Die tropischen Krankheiten erfordern zwar auch Opfer unter Weißen wie Farbigen, doch sind schwere Malariafälle im Archipel nicht häufig. Solche mit tätlichem Ausgange sind selten und kommen fast nur bei Personen vor, deren Kräfte durch lang­jährigen Tropenaufenthalt und häufige frühere Fieberanfälle ge­schwächt sind. Die Fieber treten nicht mit der Häufigkeit und Stärke auf, wie in Kaiser Wilhelmsland. Es ist im Bismarck­archipel durchaus die Regel, daß die Europäer dauernd arbeits­fähig und auf ihren Posten bleiben, vorausgesetzt, daß sie eine den klimatischen Verhältnissen entsprechende Lebensweise führen und die nötigen Erholungsreisen in ein kälteres Klima machen. Es gibt Europäer dort, die länger als zwanzig Jahre im Archipel als Pflanzer oder Kaufleute tätig sind.