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Unsere Kolonien / von Heinrich Schnee
Entstehung
Seite
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Deutsch-Ostafrika.

Der Handel in Ostafrika ist noch überwiegend Tauschhandel, doch hat der Barverkehr an vielen Grten Fortschritte gemacht. Den Kleinhandel mit den Eingeborenen besorgen meistens die Inder, welche sich auf Markten und Feilschen sehr gut verstehen. Sowohl an der Rüste, wie auch an vielen Grten im Innern gibt es zahlreiche Inder. Es wird von einem Teil der im Lande befind­lichen Europäer vielfach darüber geklagt, daß die Inder bei ihrer Genügsamkeit den Weißen den Handel unmöglich machen, und daß sie die Eingeborenen in wucherischer Weise ausbeuten. Ls erscheint jedoch zweifelhaft, ob der Europäer überhaupt in der tage sein würde, die Geschäfte des Kleinhandels mit den Eingeborenen zu betreiben, da hierzu viel Geduld und Eingehen auf die Neigungen der Eingeborenen gehört. Auch würde die Stellung der Weißen den Farbigen gegenüber dadurch voraus­sichtlich beeinträchtigt werden.

6) Lingeborenenproduktion.

Die Ausfuhrprodukte, welche aus dem Handel mit den Ein­geborenen herrühren, lassen sich in zwei Teile teilen, diejenigen Produkte, welche von wild vorkommenden pflanzen oder Tieren herrühren, und diejenigen, welche von den Eingeborenen im Betriebe der Landwirtschaft oder Viehzucht selbst erzeugt werden.

Zu den ersteren gehören besonders Kautschuk und Elfenbein. Die für nahezu 2^/» Millionen Mark Kautschuk, welche gegen­wärtig aus Ostafrika exportiert werden, rühren ganz überwiegend aus wilden Beständen her, und zwar meist aus Lianen, welche in den Wäldern des Schutzgebietes vorkommen. Zum Teil kommt dieser Kautschuk allerdings weiter aus dem Innern Afrikas, aus den Wäldern des Kongostaats und wird lediglich durch das deutsche Gebiet hindurchtransxortiert. Der Kautschuk wird auch aus den entferntesten Teilen des Schutzgebietes nach der Küste, bzw. der Station !Nuansa am Victoriasee transportiert und gelangt von da in den europäischen Handel. Bei dem hohen Wert, welchen Kautschuk besitzt, lohnt die Ausfuhr, auch wenn ein Transport auf den Schultern von Trägern über große Entfernungen not­wendig ist. Da die Lianen bei Gewinnung des Kautschuks meist vernichtet oder wenigstens schwer beschädigt werden, so ist mit einer beständigen Dauer des Kautschukexports aus wilden Be­ständen nicht zu rechnen. Es läßt sich vielmehr voraussehen,