522 Kapitel XIII. — Der Äererocmfstand 1904.
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Meine letzte Befehlshandlung war die Entsendung der Witbooireiter unter Leutnant Müller v. Berneck zur Erkundung der neuen Stellung des Feindes bei Waterberg. Sie bestätigten nach einem erfolgreichen Ritte, auf dein fie ohne eigene Verluste zahlreiche Äereros erschossen, daß die Masse des Gegners in Äamcckari südlich Waterberg stehe und anscheinend nicht an den Abmarsch denke. — Ich habe gesagt meine letzte Befehlshandlung. Denn inzwischen war
Der Kommandowechsel
eingetreten. Mittels Telegramm des Äerrn Reichskanzlers vom 4. Mai war ich in Kenntnis gesetzt worden, daß im Einblick auf die beschlossenen weiteren Verstärkungen Seine Majestät der Kaiser zum Führer der in Südwestafrika sich sammelnden Truppenabteilungen den Generalleutnant v. Trotha in Aussicht zu nehmen geruht habe. Ich solle bis zu dessen Ankunst das Kommando weiterführen und dann lediglich die Geschäfte des Gouverneurs beibehalten. So schmerzlich es mir als Soldat auch erklärlicherweise sein mußte, mitten im Kriege meine Truppe verlassen zu müssen, so hatte ich anderseits doch alle Veranlassung, in dem Kommandowechsel eine gewisse Erleichterung zu finden.
Niemand kann aus feiner Äaut, namentlich wenn er der ehrlichen Überzeugung ist, daß er sich mit „seiner Äaut" auf dem richtigen Wege befindet. Auf Grund meiner Erfahrungen hatte ich die unumstößliche Gewißheit gewonnen, daß man in dein unwegsamen, weiten Südwestafrika Eingeborene nur mit Äilfe von Eingeborenen besiegen könne, sowie daß man aufständischen Eingeborenen nach genügender Bestrafung wieder rechtzeitig die Äand bieten müsse, wolle man nicht die Gefahr einer Verlängerung des Krieges bis ins Unendliche heraufbeschwören.
Aber dieses System war damals bei der durch die Antaten der Äereros aufgerüttelten öffentlichen Meinung in der Äeimat verpönt. Mithin konnte es mir nur erwünscht sein, wenn es nun ein anderer mit einem anderen System versuchte. Entweder mußte er von selbst wieder zu dem meinigen zurückkehre:: oder Folgen mit in Kauf nehmen, die es schließlich doch als das richtigere erscheinen ließen. Das letztere ist eingetreten. Falsch aber wäre es, Hierwegen gegen irgend jemand einen Vorwurf zu erheben. Für einen Neuling war es unmöglich, anderer Ansicht zu sein als die ganze Äeimat. Dazu gehören eigene Erfahrungen, uud diese stehe:: dem Ankömmling nicht zur Seite. Dagegen konnte als Gouverneur mein Nachfolger v. Lindequist unter dem Drucke unserer inzwischen gemachten Erfahrungen zu dem alten System zurückkehren und bald nach seiner Ankunft im Schutzgebiet folgenden Aufruf an die Äereros erlassen: