Druckschrift 
Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika : mit 176 Abb. u. 20 Skizzen / von Theodor Leutwein
Entstehung
Seite
411
Einzelbild herunterladen
 

Der Ansiedlungsplan für die Zukunft. 411

Bodens, Südwestafrika als lebensfähig erweisen. Aber, es kann nicht genug wiederholt werden, der Boden muß erst tüchtig befruchtet werden, soll er ertragsfähig werden, und zu dieser Befruchtung muß der einzelne viel Arbeit und etwas Kapital, die Allgemeinheit aber viel Kapital beitragen und sich dann ihren Anteil am Gewinn aus der Arbeit des einzelnen sichern.

Der Ansiedlungsplan für die Zukunft.

Das Ziel jedes Einwanderers wird sein, in dem neuen Vaterlande diejenige Selbständigkeit zu gewinnen, die ihm das alte Vaterland versagt hat. In dem Erreichen dieses Zieles findet er den Ausgleich für die Ent­sagungen und Entbehrungen, die seiner in der Änwirtlichkeit des neuen Vaterlandes warten. Nach diesem Gesichtspunkt müssen sonach die dem Einwanderer für den Landerwerb zu stellenden Bedinguugen zugeschnitten sein, wenn namentlich eine deutsche Einwanderung ermutigt werden soll. Denn bei uns ist der bürgerliche Kleinbesitz durchweg verbreiteter als iu anderen Ländern, und daher auch dem weniger bemittelten Landwirt schon in der Äeimat die Möglichkeit zur Erreichung eines eigenen Wirtschastsbetriebes geboten. Am so kleiner ist aber auch der Kreis, auf den wir bei einer künftigen deutschen Einwanderung rechnen können, und um so verlockender müssen wir daher wiederum die Ansiedlungsbedingungen gestalten. Auf der anderen Seite aber müssen diese Bedingungen wieder derart begrenzt sein, daß sie jedwede Spekulation mit dem unter so leichten Bedinguugen er­worbene!: Lande ausschließen. Dagegen wird das künftige Besiedluugswerk durch die Tatsache erleichtert werden, daß jetzt die freien Eingeborenenstämme mit ihren großen Landeigentumsrechten aus der Berechnung ausscheiden, sowie ferner, wenn es gelingen sollte, auch den Landbesitz der Gesellschaften unter für beide Teile befriedigenden Bedingungen der staatlichen Besiedluug uutzbar zu machen, wie es den Anschein hat.

Zwar sind die bisherigen Ansiedlungsbediugungen für den Verkauf vou Negierungsfarmen, wie sie in Anlage 4 wiedergegeben sind, schou von dem oben dargelegten Gesichtspunkte aus aufgestellt, iudefseu waren wir aus diesem schwierigen Gebiete doch aus dem Versuchsstadium uoch uicht heraus­gekommen. Die genannten Bedinguugen sind daher durchaus nicht muster­gültig, und waren auch bereits in der Einarbeitung begriffen, als der Auf­stand diese Absicht, wie so viele, durchkreuzt hat. Im allgemeiuen wird man immer das Nichtige treffen, wenn der Möglichkeit eines leichten und billigen Landerwerbs der Zwang zur Leistung bestimmt abgegrenzter wirtschaftlicher