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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika : mit 176 Abb. u. 20 Skizzen / von Theodor Leutwein
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Die Besiedlungstätigkeit der Negierung. 405

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In Zusammenfassung des in diesem Abschnitt Gesagten wiederhole ich, daß die Form, in der wir das genossenschaftliche Kapital zur Mitwirkung bei der Entwicklung des Schutzgebietes bis jetzt herangezogen haben, sich mit zwei Ausnahmen als ungeeignet erwiesen hat. Diese Ausnahmen haben uns den Weg gezeigt, den wir künftig einzuhalten haben. Die Otavi-Gesellschaft baut z. B. eine bestimmt bezeichnete Bahn uud beutet bereits festgestellte Mineralfunde aus. Dem genossenschaftlichen Kapital dagegen auss Gerate-- wohl große Länderstrecken behufs Besiedlung sowie Bergbau zu überlassen, heißt gleichsam mit Gewalt zwischen einen Arbeitgeber und einen Arbeit­nehmer einen überflüssigen Dritten einschieben. Denn sowohl der landwirt­schaftliche Betrieb wie das Schürfen auf Miueralien ist Sache des Einzel­kapitals. And letzteres setzt sich mit dem Vorbesitzer, d. i. in diesem Falle mit der Regierung, besser direkt auseinander als mit einer nach eigenem Gewinn trachtenden Aktiengesellschaft. Es wäre daher jetzt, nachdem dies erkannt ist, sowohl für die Kolonialverwaltung wie für die Gesellschaften selbst ein Glück, wenn sich ich wiederhole es ein Weg finden ließe, auf dem beide Teile mit Anstand wieder aus einer unhaltbar gewordenen Lage herauszukommen vermöchten.

Die Besiedlungstätigkeit der Negierung.

Wie unter dem Abschnitt Konzessionsgesellschasten bereits erwähnt, hatte die Kolonialverwaltung zu Beginn unserer Kolonisation von einer Besiedlung von Negierungs wegen abzusehen und diese in der Gegend von Windhuk, Äoachanas und Gobabis dem Syndikat für Siedluugswesen über­tragen zu sollen geglaubt. Das letztere begann seine Tätigkeit mit Ent­sendung eines Landmessers in das Schutzgebiet und mit Vermessung sogenannter Heimstätten in Klein-Windhuk sowie der Abgrenzung von einigen Farmen außerhalb. Ferner faßte damals das Syndikat seine Tätigkeit insofern richtig auf, als es nicht wartete, bis die Ansiedler von selbst kamen. Es warb vielmehr solche an und sandte sie, zum Teil noch mit Geldmitteln unterstützt, in das Schutzgebiet. Doch blieb das ganze schön gedachte Unter­nehmen in seinen Ansängen stecken, da einerseits die politischen Verhältnisse des Schutzgebietes damals tobte noch der Witbooitrieg, anderseits die noch ungeregelte!: Besitzverhältnisse wie endlich die unzureichende Organisation des Syndikats dessen Tätigkeit Schranken zogen. So fand ich die Lage, als ich 1894 das Schutzgebiet betrat und hierüber nach Berlin berichtete. Ins­besondere hatten auch die Äereros die Farmvermessungen des Syndikats