Z50 Kapitel X. - wirtschaftliches.
geschilderten Viehkrankheiten von Zeit zu Zeit böse Lücken in die werden reißen, so wäre die Viehzucht Südwestafrikas vielleicht das rentabelste Geschäft auf dieser Erde.
Als Beweis für diese Behauptuug mögeu die gewaltigen Viehherden dienen, welche die Äereros vor Aufrichtung der deutschen Schutzherrschast besessen haben. Ich schätzte deren Gesamtbestand znr Zeit meines Eintreffens im Schutzgebiet (1894) auf 500 000 Stück. Viel Genuß hatten die Äereros von diesem Reichtum iudessen nicht. Dem: der Besitz großer Viehherden war für sie Endzweck und nicht ein Mittel, mit dessen Äilfe sie sich etwa das Lebeu angenehm zu gestalten versucht hätteu. Nur eiueu verschwindend geringen Prozentsatz ihres Viehbestandes setzten sie im Handel um. Fast ebensowenig schlachteten sie davon. Der größte Teil des Viehs ging daher nach mehrjährigem zwecklosen Dasein an Altersschwäche zugruude. Bis zum Ausbruch der Rinderpest habe ich damals diese Entwicklung der Dinge mit großer Sorge betrachtet und häusig mit den Äererohäuptlingen besprochen. Denn bei eiuer derart unzweckmäßigen Viehwirtschaft mußte dereinst sicher der Zeitpunkt kommen, an welchem die in das Angemessene angewachsenen Rinderherden der Äereros ihre Äerren zum Suchen nach neuen Weideplätzen zwangen. Wie schwer es überhaupt damals schon war, das Volk hinter seinen Grenzen zurückzuhalten, ist im Kapitel II geschildert. Auch den Gefahren einer fortgesetzten Inzucht standen die Äereros gleichgültig gegen-- über und ließen ihr Vieh ruhig degenerieren. Erst die dem Schutzgebiet sonst so schädlich gewesene Rinderpest hat die Äerden und mit ihnen die Viehwirtschaft der ödereros auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt sowie deren Indolenz in bezug auf die Sorge um den Nachwuchs etwas aufgerüttelt.
Was die Art der Viehzucht anlangt, eignet sich auf Grund der Futter- Verhältnisse das Namaland mehr für die Zucht voll Kleinvieh, das Äerero- land für die von Großvieh. Die zahlreichen Dornbüsche des Äererolandes schließen die Zucht vou Wollschafen überhaupt aus. Iudesseu weist im Namalande auch die Großviehzucht hinsichtlich der Güte die besseren Ergebnisse auf, und das Namarind übertrifft das Äererorind an Größe wie an Fleischgehalt. Die Ursache dieser Erscheinung liegt nicht nur in den verschiedenartigen Futterverhältnissen - - die Namaweide ist spärlicher, dafür aber um fo nahrhafter —, sondern auch iu der bereits geschilderten Indolenz der Äereros gegen die Inzucht. Nicht als ob die ödottentotten verständigere Viehzüchter wären, das Verdienst für das bessere Namarind gebührt vielmehr den frühzeitig aus der Kapkolouie dort eiugewanderten Weißen.