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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika : mit 176 Abb. u. 20 Skizzen / von Theodor Leutwein
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322
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Z22 Kapitel IX. Die Häuptlinge des Schutzgebiets.

da derselbe die Ehre gehabt hätte, während der Kolonial-Ausstellung 1896 von Seiner Majestät empfangen zu werden.

Die wichtigsten Anterhäuvtlinge der Hereros.

(Kambazembi, Tjetjo und Zacharias.)

Während wir im Frieden bei den Hottentotten neben den Kapitänen selbständige Anterkapitäne nicht finden, brachte es die weit höhere Be­völkerungszahl der Hereros mit sich, daß sich bei ihnen auch Anterhäuptlinge von Ansehen und Macht entwickeln konnten. Bei den Hottentotten konnte ein einziger Kapitän seinen höchstens 3000 bis 4000 Seelen starken Stamm übersehen und leiten, was bei den 70000 bis 80000 Hereros ausgeschlossen war.

Neben und unter den beiden selbständigen Häuptlingen, die wir bei den Hereros kennen gelernt haben (Samuel uud Manasse), besaß jede Werft ihren eigenen Vorstand, der sich mit Vorliebe gleichfalls Kapitän nennen ließ. Llnter diesen Werftkapitänen traten wieder drei auf Grund der Zahl ihrer Untertanen, oder, was bei den Hereros die Hauptsache war, auf Grund der Zahl ihrer Ochsen an Machtfülle hervor. Es sind dies die Anterhäupt- linge Kambazembi von Waterberg, Tjetjo von Okazeva im Distrikt Gobabis und Zacharias von Otjimbingwe, alle drei die Oberherrschaft des Ober­häuptlings Samuel mehr oder weniger gutwillig anerkennend.^)

Dem Anterhäuptling Kambazembi sind wir bereits in Kapitel II und VIII begegnet. Wir haben ihn als einen viehreichen, im ganzen gutmütigen, dabei aber schlauen Herero von altem Schrot und Korn kennen gelernt. Trotz seines Reichtums nach unseren Anschauungen könnte man ihn Millionär nennen hat Kambazembi in seiner einfachen Hererolebensweise nichts ge­ändert. Er verschmähte alle europäischen Genußmittel. Seine Nahrung be­stand nach der Väter Sitte lediglich in Fleisch, Milch und Feldfrüchten. Bei dieser einfachen Lebensweise hätten seine Viehherden ins ungemessene wachsen müssen, wenn nicht zuerst die Rinderpest eine tüchtige Lücke in sie gerissen und dann das fortgesetzte Schuldenmachen seiner zahlreichen Söhne von Zeit zu Zeit einen weiteren Aderlaß verursacht hätte. Gerade Kam- bazembis Gebiet war dos Hauptziel des Feldhandels, denn dort war noch etwas zu holen. And man muß es dem Alten lassen, was an ihm lag, einen Ausgleich zwischen dem Schuldeumachen seiner Leute und den Forde-

*) Der selbst aus der Familie des Oberhäuptlings stammende Tjetjo tat es z. B, weniger gutwillig. Er war ursprünglich selbst Konkurrent um die Sberhäuptlingswürde gewesen, später aber freiwillig zurückgetreten.