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Die Wahehe : ihre Geschichte, Kult-, Rechts-, Kriegs- und Jagd-Gebräuche / von E. Nigmann
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IV. Kriegsgebräuche.

Defensive zumeist hatten) legten sie nicht an. Nur leichte Gras­schirme dienten als Windschutz und zum handbereiten Gegenlehnen von Speer und Schild. Im Lager bewegte sich alles nach Belieben, bedeutende oder fluchtverdächtige Kriegsgefangene erhielten eine be­sondere Wache, sonst bewegten sich auch diese frei.

Es wäre ihnen auch schwer gewesen, durch die verhältnismäßig dichte Sicherungslinie hindurchzukommen; im übrigen war es ja ihr eigenstes Inter­esse, ruhig beim Sieger zu bleiben, wo sie reichlich Verpflegung bekamen und gute Behandlung genossen, während ihnen bei der Flucht ein längeres, trüb­seliges, hungriges Umherstreifen bevorstand, um schließlich noch gar womög­lich von den eigenen Stammesgenossen als Verräter gespeert zu werden. Weglaufen von Kriegsgefangenen gehört zur großen Seltenheit; es versuchen solches auch nur höchstens die, welche Bestrafung zu gewärtigen haben. Die Mehrzahl ist froh, wieder ruhig sitzen zu können und leidlich regelmäßige Nahrung zu bekommen.

Alarm. Im Falle der Gefahr erfolgte auf Befehl des Führers, tatsächlich aber meist schon von selbst, Alarm. Das Lager ging sofort zur Gefechtsformation (s. S. 91) über und rückte bis an die Sicherungslinie auf der bedrohten Seite vor. Infolge dieser steten Gefechts-, ja Offensivbereitschaft kannte der Mhehe auch nur das offene Lager, das reine Biwak; Ortsbiwak oder gar Ortsunterkunft waren im Kriege völlig unbekannt. Etwa nahe Dörfer wurden kurzer Hand ausgeplündert und angesteckt.

9. Verpflegung und Train.

Friedensvorbereitung. Für Verpflegung im Kriege wurde bereits während des Friedens vorgesorgt. Die Wahehe pflegen ihren Ernte­ertrag in Vorratshäusern, kleinen rings geschlossenen Lehmbauten, sogen,kimba", aufzuheben. Von diesen wurden ausdrücklich vom Häuptling etwa zwei bis sechs als Kriegsvorrat vorbehalten. Es dürfte dies etwa % bis % der Ernte gewesen sein. Die für Friedens­zeit und für Krieg bestimmte Verpflegung war und blieb streng ge­trennt.

Kriegsverpflegung. Beim Ausrücken nahm jeder Krieger für sich und sein Personal, Bov, Träger, für ein bis zwei Monate Ver­pflegung, zumeist in Körnerform, mit; gemahlene, weil leichter dem Verderben ausgesetzt, weniger. Außerdem wurde auf näheren Befehl des Häuptlings eine Anzahl Schlachtvieh, Groß- und Klein­vieh, mitgetrieben. Der Sultan nahm für sich und sein Gefolge dann ebenfalls noch einen mindestens gleichen Bedarf an Verpflegung mit,