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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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von Früchten des Landes, soviele erhältlich waren, außerdem in kleinen Mengen Katjang Idjo. Diese Fleisch- und Eiweißrationen sind die gleichen, welche die Leute auf den Stationen erhalten, so daß anzunehmen war, daß diese Ernährung auch für unsere Leute ausreichend sein würde. Tatsächlich aber haben sie während der Marschperioden bedeu­tend größere Reisrationen verzehrt (pro Tag schätzungsweise 0,9 bis 1 kg), dagegen zeitweise wegen der durch Erkrankungen verursachten Un- vollständigkeit der Proviantnachzüge nicht ihre vollen Fleischrationen erhalten können. Diese Er­nährung hat nun in vielen Fällen nicht genügt, die dem Körper durch die außerordentlichen Anstren­gungen entzogenen Mengen von organisch gebun­dener Phosphorsäure zu ersetzen, und so ist es zu verstehen, daß gerade die Leute des ersten und zweiten Transportes, die diesen Schädlichkeiten am längsten ausgesetzt waren, die Haupterkrankungs­ziffern gestellt haben. Soweit angängig, erhielten die Erkrankten Nährmittel wie Fleischsolution, Sa­natogen und Milch, doch waren merkbare Erfolge damit nicht zu erzielen. Die tödlichen Fälle sind durchweg außerordentlich akut verlaufen, der Tod trat wohl immer durch Herzlähmung oder Herz­schwäche ein. Durch Digalen- und Kampferein­spritzungen wurden einige Patienten, die bereits in der kritischen Zeit der starken Ödeme eine prognosis pessima boten, am Leben erhalten, doch ist eine solche Behandlung während der Expedition infolge der großen örtlichen Entfernungen der ein­zelnen Marschkolonnen naturgemäß nur in sehr be­schränktem Maße durchführbar.

Welche Vorschläge können wir nun auf Grund unserer Erfahrungen für künftige Expeditionen, die ungefähr mit gleichen örtlichen Schwierigkeiten und gleichem Menschenmaterial zu rechnen haben wür­den, zur Vermeidung ähnlich hoher Erkrankungs­ziffern an Beri-Beri machen?

Nach dem oben Gesagten ist klar, daß dabei der Schwerpunkt in der Ernährungsfrage liegen muß. Es sollten nicht solche großen Mengen Reises, der ja fast ausschließlich Kohlehydrate enthält, sondern bei Reduzierung der Reisernährung größere Quan­ten an guter Fleisch- und Fettnahrung, der etwas Kochsalz zuzusetzen wäre, gereicht werden; außer­dem sollte diese letztere nicht, wie es hier analog den Stationsgewohnheiten geschah, nur zweimal wöchentlich, sondern täglich gegeben werden, wobei als Tagesdosis 0,25 kg Fleisch ausreichend er­scheint. Sodann sollte eine allgemeine Prophylaxe mit Katjang Idjo durchgeführt werden, deren herber Geschmack durch Zugabe von etwas Zucker oder Sirup dem wählerischen Gaumen der Leute sympa­thisch zu machen ist. Schließlich sollten noch mög­lichst viele Früchte des Landes gereicht werden, so daß etwa folgender Speisezettel empfehlenswert als Tagesernährung erscheint:

Reis.......etwa 400 g,

Fleisch...... ,, 250 g,

Katjang Idjo .... 200 g, etwas Salz, Sirup und Landesfrüchte.

Mit dieser Ernährung wäre möglichst bald zu beginnen, damit der Körper in der Zeit der schweren Anstrengungen womöglich etwaszuzu­setzen" hat.

III. Höhenmessungen während der deutschen Grenzexpedition in das Kaiser-Wilhelms-Land.

Von Dr. H. Marquardsen.

I. Von Germaniahuk nach Süden entlang dem 141. Grad ö. L.

Zur Ausführung genauer Höhenbestimmungen standen Prof. L. Schultze Jena Siedeapparat, Aspirations-Psychrometer und Schleuderthermo­meter zur Verfügung. Von den Siedethermometern wurde nur eines (Nr. 1315) benutzt, dessen Ab­lesung bei jeder Abkochung sehr sorgfältig mit min­destens viermaliger Wiederholung vorgenommen wurde.

Für die Berechnung der Höhen ist es von Wich­tigkeit, daß die Leitung der in naher Nachbarschaft von Germaniahuk liegenden niederländischen Sta­tion Hollandia an den Terminen 9 a, 12 m, 3 p Ab­lesungen eines Quecksilberthermometers vornehmen

ließ, deren Ergebnisse für den ersten Teil der Expe­dition hier vorliegen. Eine Vergleichnng des Siede­thermometers mit dem Stationsbarometer hat zwar nicht stattgefunden, doch lassen sich die Beziehun­gen zwischen den beiden Luftdruckmessern auf in­direktem Wege leidlich ermitteln. Am 25. Mai 1910 hat Prof. Schultze'Jena zur Feststellung des täglichen Ganges des Luftdrucks und der Tempe­ratur die S. 2 mitgeteilten Beobachtungen an­gestellt.

Die dort gegebene Reihe gestattet mit ziem­licher Genauigkeit durch Interpolation für jede be­liebige Tageszeit die gesuchte Angabe, zu entneh­men und die beiden Luftdruckmesser wie nach­stehend zu vergleichen: