?98 Kapitel IX. — Die Häuptlinge des Schutzgebiets.
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Da sind zunächst zwei Männer zu nennen, deren Einfluß — des einen im Norden, des anderen im Süden — bei Lösung der Frage, ob dem Schutzgebiete eine friedliche oder eine kriegerische Entwicklung beschieden sei, in die Wagschale siel. Gesetz und Erbfolge, verbunden mit Wahl, hatten beiden die Häuptliugswürde zufallen lassen. Mächtig waren sie jedoch, der eine durch die Menge seiner Untertanen, der andere durch das Gewicht seiner Persönlichkeit. Der erstere war, wie der Leser vielleicht bereits erraten hat, der Oberhäuptling der Hereros, Samuel Maharero, der letztere der Kapitän Hendrik Witbooi. Neben ihnen spielten noch zwei jetzt bereits verstorbene Kapitäne eine gewisse Nolle, der eine gleichfalls im Norden, der andere im Süden des Schutzgebietes. Der eine war der Kapitän Manasse von Omaruru, der andere Kapitän Wilhelm Christian von Warmbad. Ihr Tod hat die jetzt über das Schutzgebiet hereingebrochene Katastrophe ohne Frage be- schleuuigt. Sie liebten die deutsche Oberherrschaft auch uicht mehr als die übrigen Häuptlinge des Schutzgebietes; aber sie waren schon bei Iahren, daher nicht mehr in der besten körperlichen Verfassung uud iufolgedesseu zur Ruhe und zum Frieden geneigt. Auch waren sie intelligent genug, um die schwerwiegenden Folgen eines bewaffneten Widerstandes gegen die neue Eut- wickluug der Dinge vorauszusehen, und auch einflußreich geuug, um ihr Volk vor unüberlegten Schritten abzuhalten. 5lm diese vier Kapitäne und Häupt-- liuge gruppierten sich die übrigen mehr oder weniger mächtigen Stammes-- oberhäupter des Schutzgebietes. Mit ihueu hatte ich uach meinem Eintreffen im Schutzgebiete daher in erster Linie zu rechnen. Nach ihren: Verhalten mußte sich infolgedessen mein eignes richten. Als besonders erwähnenswertes Stammesoberhaupt könnte vielleicht auch der Kapitän Christian Goliath von Bersaba genannt werden, da dieser an Intelligenz ersetzte, was ihm an Macht abging. Jedoch zu irgendwelchem Ciufluß über die engeren Grenzen seines Landes hinaus hatte er es bei der Geringfügigkeit feiner Machtmittel doch nicht bringen können.
Hendrik Witbooi. ')
An der Spitze der vorgenannten Häuptlinge steht naturgemäß Hendrik Witbooi. Nach seinem im November 1905 infolge einer Verwuuduug er- folgteu Tode habe ich ihm in der in Berlin erscheinenden „Gegenwart"^) einen Nachruf gewidmet, der seine wesentlichsten Charaktereigenschaften
*) Siehe Bild Seite Z9. **) Nr. 49 vom 9. Dezember 1905.