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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika : mit 176 Abb. u. 20 Skizzen / von Theodor Leutwein
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172 Kapitel VI. - Unsere Beziehungen zu den Ovmnlws.

Grenze so vielfach Stammesgebiete durchschneidet, kann natürlich nicht als ein günstiger Zustand angesehen werden. Diese Trennung erleichtert besonders den uuter deu Ovambos lebhast betriebenen Waffen- und Sklavenhandel.

Einer Negeluug werdeu auch die Berhältuisse bei den im Oka- wangotal nwhueudeu Stämme bedürfeil, sobald nur mit einer Besiedluug des Südufers des Flusses begiunen, das in unser Gebiet fällt. Die auf dem Nordufer wohnenden Ovambostämme beanspruchen gleichfalls Besitzrechte auf dem audereu Flußufer, während es eine portugiesische Negierungs- gewalt auch dort uicht gibt.

Geschichtliches.

Bis jetzt hatte die Brücke zu deu Ovambos lediglich die Mission gebildet, uud zwar im Westen die finnische sonne die rheinische (deutsch), im Osten die katholisch-deutsche Mission. Weitere Beziehungen bestanden nur dariu, daß ab uud zu seitens der Ovambos ein Händler schlecht behandelt wurde, oder daß seitens uuserer Eingeborenen einmal einem durchpassierenden Ovambo Pferde uud Waffen weggenommen worden sind, oder endlich, daß Muuitious-- uud Schuapshaudel über die Greuze gemeldet wurde. Entweder solgten daun Klagen beim Gouvernement, die einen durch Bermittlung der Mission geführteu Briefwechsel mit dem betreffenden Ovanwohäuptliug zur Folge hatten, oder aber diplomatische Behandlungen zwischen Berlin und Lissabon. In beiden Fällen wurde selteu ein befriedigender Abschluß erzielt, vielmehr eudigte die Sache meist in einer endlosen Berschleppung. Ich selbst bin so währeud meiner Amtszeit nacheinander mit den Häuptlingen Kambonde, Nechale, Äejulu uud Negumbo in Briefwechsel gekommeil.

Zum erstenmal geschah dieS während des Nordzuges im Jahre 1895. Kurz vorher war die Nachricht von der Niederwerfung Witboois zu den Ovambohäuptlingen gedrungen und hatte diese in nervöse Stimmung versetzt, die sich mit der jetzt kommenden Nachricht von dein Anmarsch einer stärkeren deutscheu Truppe nach dein Norden noch steigerte. Durch deu Vertreter der South-'West-'Africa-'Compauy, Herrn Dr. Hartmann, der fortgesetzt Be­ziehungen zu den Ovambohäuptliugeu unterhielt, kam es zu meiner Kenntnis, daß diese Kriegsvorbereituugeu träfe». L.lm die Truppe nicht in den Berdacht geraten zu lasseu, sie hätte einen geplanten Besuch in dem Ovambolande aus Furcht unterlassen, schrieb ich an den nächstwohnenden Häuptling, deu sonst als friedfertig bekannten Kambonde, ich hätte aus Maugel au Zeit dieses Mal bedauerlicherweise uicht die Möglichkeit eines Besuches bei ihm ins