Die ''Aufrichtung der tatsächlichen Schuyherrschaft im Äererolande. 59
Vertrag wurde sofort aufgesetzt und vom Kapitäu und seinen Großleuten unterschrieben, woraus ich ihn in Gedanken, ohne zu unterschreiben, in die Tasche steckte. Der Kapitän sah dem mit Mißtrauen zu und bat mich, vor seinen Augen auch noch zu unterschreibeu. Die unvermutete Nachgiebigkeit des Kapitäns lag sraglos an der geschwundenen Kriegslust seiner Leute, der sogar seine festgewurzelte Autorität nicht hatte widerstehen können, in Verbindung mit den milden Bedingungen, die ich ihm bereits am 14. abends in Amrissen mitgeteilt hatte.
Noch einige Tage blieb die Truppe behufs Regelung von Einzelheiten im Lager vor der Naukluft und trat dann in drei Kolonnen den Rückmarsch über Rehoboth nach Windhuk an. Nur der zum Stationschef von Gibeon ernannte Oberleutnant v. Burgsdorff blieb mit 30 Reitern im Äauptlager zurück, um die aus dem Gebirge heraustretenden Witboois zu empfangen und ihren Abmarsch nach Gibeon, ihrem ausbeduugeueu künftigen Wohnsitz, zu regeln.
Der Truppe wurde iudes iu Windhuk wieder keine Ruhe gegönnt, denn bereits hatten sich im Osten und im Norden des Schutzgebietes die Vorboten weiterer ernster Ereignisse gezeigt. Bei der neugegrttndeten Station Aais war es zu einem Zusammenstoß der Stationsmannschaft mit den Khauas-Äottentotteu gekommen, bei dem drei Äottentotten gefallen waren, die Station aber ihren gesamten Viehbestand verloren hatte. In Omaruru war seitens der Äereros ein Engländer ermordet worden, und im Süden waren MißHelligkeiten zwischen der Station Keetmanshoop uud der Bevölkerung entstanden.
Nach Aais entsandte ich zunächst den Oberleutnant v. Äeydebreck mit 60 Reitern und einem Geschütz, um vorläufig die Khauas in Schach zu halten. Nach Omaruru wendete ich mich selbst, und es ersolgte nunmehr:
Die Aufrichtung der tatsächlichen Schutzherrschaft im Hererolande.
Bereits oben habe ich erwähnt, wie in der Pause, die der Witbooi- krieg gelassen hatte, in Versolg eines Streites zwischen dem Oberhäuptliug Samuel und einem seiner Mterhäuptlinge sich erstmals Gelegenheit bot, auch iu die Verhältnisse des Äererolandes einzugreifen. In Okahandja residierte neben dem Oberhäuptling der reiche und einflußreiche alte Riarua, srüher erster Berater des Oberhäuptliugs Kamaherero uud zugleich dessen Feldhauptmann. Dieser konnte sich nicht darein finden, daß jetzt ein juuger Oberhäuptling sein 5)err sein und er selbst keinen Einfluß mehr besitzen