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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika : mit 176 Abb. u. 20 Skizzen / von Theodor Leutwein
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Seite
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Der letzte Entscheidungskampf mit Witbooi. ZI

er vorläufig unter Befehl des Leutnants v. Franc^ois verblieb, während ich mich persönlich nach Keetmanshoop begab. Auch die Keetmanshoover Hottentotten zeigten sich als ein friedliches Völkchen, das unter dem Missionar Fenchel aber auch einen Leiter besaß, der Kopf und Äerz an der richtigen Stelle hatte. In der Nähe Keetmanshoops wohnten damals drei Weiße, bzw. Äalbweiße, welche in dem Verdacht standen, Munitions­lieferanten für Witbooi gewesen zu sein. Sie wurden alle drei ausgewiesen. Einer derselben, Dunccm, erkaufte sich später mittels freiwilliger Gestellung wieder die Rückkehr. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Zur Unterbindung weiteren Schmuggels wurde in Koes eine Grenzstation er­richtet, womit auch zugleich Äand auf das Gebiet der Feldschuhträger gelegt war.

Soweit die mäßigen Stationsbesatzungen dies verbürgen konnten, er­schien nunmehr das Namaland gesichert und als einziger Feind nur noch Witbooi übrig. Ich begab mich jetzt persönlich in das Lager von Tsubgcms und trat von da am 24. April den Vormarsch gegen Witbooi an.

Der letzte Entscheidungskampf mit Witbooi.

Kapitän Äendrik Witbooi befand sich noch an derselben Stelle, an der die letzten Kämpfe mit ihm unter Major v. Frankens stattgefunden hatten, nämlich in der Eingangsschlucht des Naukluftgebirges. Indessen war die Nachricht hierüber zunächst noch nicht als verbürgt anzusehen, da von den Eingeborenen es niemand wissen wollte, teils aus Furcht vor Witbooi, teils aus Sympathie mit ihm. Weder Führer noch Spione waren zu finden. Zunächst blieb daher nichts anderes übrig, als aus dem Lager von Tsubgcms aufs Geratewohl den Marsch nach der Naukluft anzutreten. Anterwegs stieß der Führer der Bastards, Äcms Dirgaard, zur Truppe. Obwohl er nur 10 seiner Leute bei sich hatte die Kriegslust der Bastards hatte stark ab­genommen, war mit seinem Eintreffen dem Führermangel doch sofort ab­geholfen. Äans Dirgaard ritt eines Morgens los, hob eine abseits gelegene Buschmannswerft aus und brachte deren Insassen ins Lager. Die vier Intelligentesten wurden als Führer angeworben, der Rest beschenkt und ent­lassen. Diese Buschmänner brachten die erste bestimmte Nachricht, daß Witbooi noch in der Nauklust sitze.

Am 6. Mai traf die Truppe vor der Naukluft ein. Sobald ich Gewißheit über den Aufenthalt Witboois hatte, war ich mit diesem in Briefwechsel getreten, um über seine Persönlichkeit und seine Absichten Klar-