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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika : mit 176 Abb. u. 20 Skizzen / von Theodor Leutwein
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Tatsächliche Aufrichtung der Schutzherrschaft im Namalaude. 21

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sandt, um seine, des Oberhäuptlings, Worte zu hören, erhielt ich zu meinem Staunen die Antwort:Als vom Deutschen Kaiser gesandt, hat sich hier schon mancher vorgestellt, aber nie haben die Hereros etwas davon gehabt." Jetzt gab ich die Hoffnung auf und wollte auch diese Versammluug schließen. Der als Dolmetscher waltende Missionar Viehe, der seine Leute kannte, hielt mich indessen mit der Bemerkung zurück, der Oberhäuptling werde jetzt gleich loslegen. And so kam's denn auch. Es gab kaum eine Sünde, die der Oberhäuptling nicht der Windhuker Negierung aufs Konto gesetzt hätte. Es fehlte nur noch, wie Bülow in seinem BucheDrei Jahre im Lande Hendrik Witboois"*) richtig bemerkt, daß er auch den mangelnden Negenfall deren Sündenregister zugeschrieben hätte. Ich beruhigte, so gut ich konnte, und sparte auch mit Zukunftshosfnungen nicht. Im allgemeinen trennten wir uns schließlich in bester Freundschaft.

Aber jetzt braute sich im Osten des Schutzgebietes ein Gewitter zu­sammen, das neben einem noch fortdauernden Witbooikriege recht un­angenehm werden konnte. Bei den übelberufenen Khauas-Hottentotten war etwa im Oktober 1893 ein deutscher Händler ermordet worden, die seitens des Major v. Franc^ois verlangte Auslieferung der Mörder indessen bis jetzt unterblieben. Letzteres mit gutem Gruude, denn der Kapitän war, wie wir später sehen werden, selbst bei der Sache beteiligt gewesen. Dafür hatten die Khauas dann Anfang 1894 noch die unter deutschem Schutz stehende Betschuanen-Ansiedlung Aais überfallen, ausgeplündert und die Bewohner, soweit sie nicht niedergeschossen oder geflüchtet waren, als Ge­fangene weggeführt. An diesem Naubzuge hatte sich auch eine Anzahl Gokhaser Hottentotten beteiligt. Derartige Vorkommnisse legten den Ge­danken nahe, daß es Zeit sei, unsere bisherige nominelle Herrschaft, im Namalande wenigstens, in eine tatsächliche umzuwandeln, überdies war sicher, daß Witbooi von seinen dortigen Stammesgenossen fortgesetzt heimliche Unterstützung erhielt. Es wurde daher zur

Tatsächlichen Aufrichtung der Schutzherrschast im Namalande

geschritten. Major v. Franc:ois, der am 12. Februar 1894 von seinem Kriegszug zurückgekommen war, stimmte diesem Plan sofort zu. Wir ver­abredeten eine Teilung der Truppe, er sollte mit dem einen Teil das westliche Namaland pazifizieren und zugleich den immer noch trotzig im Felde stehen-

F. I. v. Bülow, Deutsch-Südwesrafrika. Drei Jahre im Lande Äeudrik Witboois. 2. Aufl. Berliu 1897. E. S. Mittler 3- Sohu.