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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
Entstehung
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träger, bald von mehreren kleinen, bald von einem größeren Wickelhaltstück bedeckt und mittels fort­laufender Rotang-Spiralen auf den Klingenträger festgeschäftet.

Der Körper des Weibes hat wenig An­ziehendes. Der oft prächtigen Entwickelung der Muskulatur an Rumpf und Gliedern, die die Männer kennzeichnet, haben die Weiber als Äquivalent ihres 1 Formenreizes den schön rundenden Fettansatz nur im jugendlichsten Reifealter aufzuweisen. Unter den schwindenden Brüsten wird frühzeitig der küm­merliche Brustmuskel und die Ansatzlinie der Rippen am Brustbein sichtbar; zwei leere Haut­beutel hängen schließlich über den Rippenbogen, den die eingefallene Magengegend deutlich hervor­treten läßt. Der schlaffe Bauch, von tiefen Ouer- falten gerunzelt, wölbt sich in der Nabelgegend am weitesten nach vorn; seine Sackform wird durch den tief getragenen Schurz, der nicht über den Schamberg hinaufgeht, noch häßlich markiert. Schmutz und vielfach Abschuppungen, die die Pilzkrankheit hervorruft, decken die übelriechende Haut.

Das Weib erscheint in dieser Richtung stärker vernachlässigt, zugleich mit seinen Kräften stärker in Anspruch genommen als der Mann, der sich im behaglichsten Gleichgewicht von Arbeit und Genuß befindet. Er rudert stehend mit leichtem Schlag" der zvveimannshohen, in einem Lanzettblatt endenden, schmucklosen Ruder die Weiber im Einbaum zur Pflanzung oder an den Sagosumpf und bewacht sie bewaffnet. Hausbau, Krieg und Jagd spannen seine Kräfte gelegentlich wohl stärker an; die Alltags­arbeit aber, die in ständiger Wiederholung ihre An­forderungen häuft, lastet auf dem schwachen Ge­schlecht.

Die Horde, die in der Nähe unseres Standlagers hauste, bot uns die letzte Gelegenheit, einen Ein­blick in das Dasein der Anwohner des oberen Sepik zu gewinnen. Die forcierte Bergfahrt ließ keinen Verkehr mit einer der Siedlungen weiter stromauf­wärts zu. So fuhren wir ohne Aufenthalt in eine dritte Stromstrecke ein, in

C. Die mäanderarme Strecke reichster Anastomosen in breitem, gebirgsfernem Geröllbett.

Sie reicht von der Gegend des XXV. Anker­platzes (siehe Sepik-Karte IL Blatt 2 unten) strom­aufwärts bis kurz vor die Mündung des Hoffnungs- flüßchens (siehe Sepik-Karte II. Blatt 3).

Mit einem mittleren Gefälle von 0,16 auf 100 m legt der Fluß schon in seinem ersten, 33 km langen

Abschnitt der Bootsfahrt immer empfindlichere Schwierigkeiten überall da in den Weg, wo er sein Wasser zusammenhält. Aber er zersplittert zu­nächst seine Kraft immer wieder in Gabelungen und Seitennetzen von oft unübersehbarem, wirrem Durcheinander kleiner Arme.

Dem breiten und im Verhältnis zu den unteren Abschnitten des Flusses gestreckten Verlauf des Bettes entsprechend ist der Gegensatz von Prall- und Gleitufer, Alt- und Jungwald seines gesetz­mäßigen Wechsels beraubt. Zu den auch hier am Ufer wiederkehrenden, in der Fülle der unbekannten Ge­wächse kenntlichen Waldrandpflanzen der Pan- danaeeen, Caryota- und Sagopalmen, Brotfrucht­bäumen und Baumfarnen gesellt sich zwischen Schnellen- und Prauenbiwak (siehe Sepik-Karte II. Blatt 3 oben) die sandliebende Strandkasuarine, die dann stromaufwärts immer zahlreicher im Gerüll- busch vertreten ist.

Von Siedelungen in Ufernähe sind auf dieser Strecke nur drei einzelne Behausungen und einige primitive Unterkunftshütten zu verzeichnen; was der uferferne Wald birgt, entzog sich auch hier unserem Blick. Die Kokospalme war in der Ge­gend des XXV. Ankerplatzes aus dem Uferbild verschwunden.

Die Gerölle des Flusses waren uns, denen ein Eindringen in die Regionen des anstehenden Ge­steins verwehrt war, von hohem Interesse als ein­zige Grundlagen eines Vergleichs mit den Gesteinen, die die Gebirge im Nordbereich des Expeditions­arbeitsfeldes aufbauen: ,,Der Charakter der Ge­steine ist in den beiden Gebieten durchaus ver­schieden. Unter den vorliegenden Gerollen des Sepik herrschen hochmetamorphe, schieferige Ge­steine vor, die dem von Norden her durchwanderten Gebiet offenbar völlig fehlen. Besonders lenken sehr charakteristische Diorite und Dioritporphyrite die Aufmerksamkeit auf sich, wie sie bis zum Huon- Golf (148 0 ) von zahlreichen Punkten, auch aus dem Mittellauf des Augusta-Flusses bekannt geworden sind und vielfach auch in den Gebirgen in der Nähe und an der Nordküste (Astrolabe-Bai, Torriceiii- Gebirge usw.) vorkommen (15.). Auf die Gerölle des Sepik braucht in diesem Zusammenhange nicht weiter eingegangen zu werden; ihr Vorkommen be­weist, daß die Zone hochkristallincr, stark meta­morpher Gesteine mit eingedrungenen Tiefengestei­nen, die »im Westen des Huon-Golfes, im Herzogs- Gebirge, im Bismarck-Gebirge und etwa in der strei­chenden Verlängerung dieser Gebirgszüge am un­teren Kaiserin Augusta-Fluß zwischen 142 0 und 143 0 östlicher Länge« (15. S. 54) auftritt, sich weiter nach Westen fortsetzt und jedenfalls bis zum 141. 0