Druckschrift 
Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

schließen könnte die Zusammensetzung der Sandsteine in dem ganzen Gebiet ist offenbar sehr schnellem Wechsel unterworfen (31.)" ; hier kann nur eine systematische geologische Aufnahme des Ge­ländes weiter aufklären, wir waren zu strenge an unsere Marschroute gebunden.

Stark salzige Quellen, die dem Lager Zoutbron den Namen gegeben haben, steigen mitten im Walde Tümpel bildend auf.

Über die Mächtigkeit der Alluvionen des Tami- Flachlandes und über ihre Felsenunterlage wissen wir nichts. In der Sekofro-Gegend sind, Gcröll- stücken nach zu urteilen, Koraillenkalke am Aufbau der Hügel beteiligt.

Im Gesamtbilde der Landschaft, aus der Höhe betrachtet, bietet das Tami-Flachland dem Auge, das der wochenlangen Beengung des Gesichtsfeldes im Dickicht der Niederung selbst müde geworden ist, in erlösendem Fernblick Ruhe. Von der Höhe Kohari sahen wir zum ersten Mal über das stille Meer der Wälder unter uns; langsam glitten die Schatten der Wolken über die besonnte Fläche. Aus dem Dunst des Horizonts schimmerte im Süden das erste große Gebirge, das wir neu auf die Karte zu setzen hatten. Von der Krissi-Vorbergshöhe dieser Bewani-Kette sahen wir dann später, rück­wärts nach Norden blickend (siehe Panorama V.), wiederum die Tami-Fläche vor uns sich dehnen' und jetzt das Küstenbergländ wie einen fernen Kon­tinent aus ihrem dichten Frühnebelmeer aufsteigen.

Wir glaubten bestimmt, mit dem Ubergang über das Bewani-Gebirge die Wasserscheide zwi­schen den kurzen Küstenflüssen der Nordabdachung der Insel einerseits, dem Quellgebiet des Sepik an­dererseits zu passieren. Wir sahen alsbald ein, daß diese Wasserscheide zum mindesten m'it ebenso großer Wahrscheinlichkeit weiter im Süden zu ver­muten ist, in einem Flachland, das wir

d) Die große I n 1 a n d c b e n e nennen wollen. Sie ist im Bereich des 141. Längen­kreises, gemessen vom Austritt des Umkehr-Flusses aus der Bergend-Schlucht des Bewani-Gebirges bis in die Breite der Oktober-Flußmündung in den Se­pik, 94 km breit.

Wo von einer der Höhen oder südlichen Vor­höhen des Bewani-Gebirges aus ein Blick nach Süden durch Wald und Dunst zu erhaschen war, nirgends sahen wir Berge. Auch in der Ebene selbst begrenzte selbst bei sichtigstem Wetter stets nur der niedrige Waldrand der nächsten Umgebung den Horizont. Als wir dann später im äußersten Süden aus 1500 m Höhe vom Peripatus-Gipfel der Sepik- Uferbcrgc nordwärts blickten, lag wieder nur eine

weite Ebene vor uns. Die Höhenzüge im fernsten Hintergründe konnten nur das Bewahi-Gebirge sein. Sie lagen zu fern, als daß wir es (wie auf einer vorläufigen Skizze geschah, 54) zwischen diese Kette und uns hätten gruppieren können.

Eine weite Inlandebene ist also mit gutem Ge­wissen auf die Karte zu setzen. Es fragt sich nur: Wo scheiden sich auf ihr die Gewässer einerseils nach Nordwesten zum Idenbuirg-Mamberamo, an­derseits nach Südosten und Osten zum Sepik? Der Umkehr-Fluß, den wir von seinem Gießbach­lauf vom Südhang des Gebirges bis zum ruhigen, halbmannstiefen Fluß der Niederung verfolgten, dem die holländische Abteilung noch weiter als wir Südwest- und westwärts nachging, verliert sich einst­weilen im Unbekannten. Die Wahrscheinlichkeit, daß er in den Mamberamo mündet, könnte nur durch exakteste Höhenmessungen im oberen Idenburg- Fluß gestützt oder entkräftet werden. Besser, als sich in Möglichkeiten zu ergchen, ist, abzuwarten, bis sich die Lücke in unserer Kenntnis des Landes zwischen dem 140. und 141. Längenkreis durch Aufnahmen an Ort und Stelle schließt.

Wo der Umkehr-Fluß durch die Schlucht bei Bergend tritt, istschwarzer, glänzender Ton­schiefer aufgeschlossen, der sehr reich an kohliger Substanz ist und unter dem Mikroskop vollständig den Tonschieferbröckchcn gleicht, die sich in den Sandsteinen und Konglomeraten der Bcwani-Kelte

n *ir i ri t 1

in große/r Verbreitung finden. Im übrigen irrten hier offenbar hauptsächlich helle und dunkelgraue, feinkörnige, sandige Kalksteine auf, die neben zahl­reichen organischen Resten Quarzkörncr, Ton- schiefer-Bröckchen, gelegentlich auch chloritischc Putzen und Plagioklas-Körner enthalten. Ferner liegcn aus diesem Gebiet Kicselgesteinc vor, ein Stück eines hellgrauen, in einem breiten Streifen durch Eisenhydroxyd dunkelbraun gefärbten Jaspis mit Quarzadern und ein graubrauner, etwas geschich­teter Kieselsinter" (31.).

Gleich im Beginn der Ebene hinter der Schlucht treten am rechten Ufer (siehe Skizze unter Pano­rama IL), während am linken große Blöcke (a) eines grauen, kleinkristallinen Kalksteins als Transport­massen aus dem Gebirge liegen, anstehende Tone und Sandsteine (d, e und f) mit kalkigem Binde­mittel, ähnlich denen aus der gebirgsnahen nörd­lichen Ebene, zutage, zum Teil in großen Blöcken (b und c) abgestürzt. Ihre gestörte Lagerung scheint auf lokale Uferrand-Brüche zurückzuführen, nicht in der Tektonik der Ebene selbst begründet zu sein.

Nahe unserem fernsten Punkt (siehe Skizze neben Panorama IV.) hat der Steilhang eines Prall-