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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
Entstehung
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die Bergflanken umklammernd, mitten auf dem Kamm wie ein Reiter sitzt, dem die ganze Kolonne, seitwärts herunter- und wieder heraufkletternd, ausweichen muß.

Zuweilen stößt der Bergstock unverhofft in hohlen Raum, ohne Grund zu finden; da wird es dem Kletterer klar, daß er auf einer Brücke steht, die ein fallender Baum einst über einen Absturz ge­schlagen, eine allseitig üppig aufsprießende Vege­tation dann derart maskiert hat, daß jedes Relief verschwand.

Der Schutz, den die Pflanzenwelt gegen flächen­spülendes Wasser gibt, ist unbegrenzt; der Kraft der Tiefenerosion der fließenden Gewässer aber ist selbst der dichteste Urwald nicht gewachsen. Auch in der regenärmeren Zeit, wenn die Bäche klein sind, kann man sich im Anblick der wilden Block­häufungen ihres Trockenbettes (siehe Taf. LV.), eine Vorstellung von der Gewalt der Abtragung machen. Was im kleinen der Klotz des dunklen zersetzten Spilitgesteins an der Biegung des Bewani- Oberlaufs oberhalb Schnelleneck zeigt, die Unter­wühlung und das Nachstürzen von oben, spielt sich im großen an allen Berghängen ab.

Zur Zeit des Nordwest-Monsuns verstärkt sich die. Gewalt der Gießbäche zu Zeiten auf mindestens das Zwanzigfache ihrer Wirkung an ruhigen Passat­tagen : dicht oberhalb Bergend liegen in halbmeter- tiefem Wasser Riesenklötze eines versteinerungs­führenden, sandigen Kalksteines mitteltertiären Al­ters (53.), in den das Wasser 3 m über dem Spiegel von damals tiefe, glatt polierte Rinnen gezogen hat.

Das Material, das die Gewässer aus dem Bewani-Gebirge transportieren, schüttet die Ebenen auf, die das letzte Glied der Nordlandschaften bilden.

c) Das Tarn i-Flachland

umfaßt das ebene oder hügelige, niedrige Gebiet im Bereich des Tami und seiner Zuflüsse. Seine Grenze gegen das Küstenbergland, das mit seinen Korallenfelsen bald unmittelbar an die Ufer der Wasserläufe stößt, sie hie und da aus Quellen speist, bald kilometerweit zurücktritt, ist durch die Aus­dehnung der weichgründigen Alluvionen gegeben.

Das Gefälle des überall annähernd gleich tief eingeschnittenen Tami zeigt, wie flach die Ab­dachung des Landes in südnördlicher Richtung ist. Das Nachtlager Vlooienburg (in 12 km Luftlinien­entfernung von der Küste) liegt nur 15 m, die Station des malayischen Paradiesvogeljägers Hoessin (in 26 km Meeresentfernung) 24 m, die Gabelung des Tami in Begaure und Bewani (37 km) 50 m, das holländische Standlager Zoutbron (45 km) 104 m,

der Rastpunkt Tjemara endlich (48 km) in nur 118 m Meereshöhe.

Tjemara bezeichnet annähernd die Südgrenze, die Brinoka-Gegend die Nordgrenze des zwanzig Kilometer breiten Hügellandes, das sich als östliche Fortsetzung der Tami-Niederung zwischen das Küstenbergland und das Bewani-Gebirge schiebt.

In die Niederung schneidet sich der Tami mit trübem, gelbem, lauem Wasser wechselnd tief ein, an den Gleitufern stets sandige, zuweilen land­zungenartig vorspringende, schilfumsäumte Bänke ablagernd, an den Prallufern 2 bis 5 m hohe, steile Abbrüche schaffend, an die der Urwald unmittelbar herantritt. Zahlreiche Unterwühlungen und An­häufungen entwurzelter Bäume lassen ihn bei dieser Arbeit beobachten. Zur Zeit der Hochfluten setzt er, wie sandige Anschwemmungen fernab vom Ufer über den Waldhumus beweisen, die Niederung weit­hin unter Wasser. Diese Landstriche sind unbe­wohnt. Nur zu vorübergehendem Aufenthalt locken den Eingeborenen Sagopalmbestände, die hier gut gedeihen.

Die Gesteine und Böden, die das Tami-Flach- land zusammensetzen, sind an einigen weit von­einander entfernten Punkten durch Wasserläufe aufgeschlossen. Der Küste am nächsten liegt ein Aufschluß am unteren Mossu nahe seiner Einmün­dung in den Tami. Das etwa über 5 m hohe Profil des angerissenen Steilufers zeigt zu oberst die feuchte, dunkle, humose Hauptwurzelschicht der Uferpflanzen mit allmählichem Ubergang in gelben Lehm. Unter dieser i^m starken Schicht liegt 1 m hoch Sand mit Molluskenresten, darunter mit eben­falls zahlreichen Molluskenresten ein gelbes, eisen­schüssiges Kieslager von 2 m Mächtigkeit. Den untern Abschluß, % m hoch über den Wasserspiegel reichend, bildet ein weicher, blauer, zäher, knetbarer Ton, der auch flußauf- und abwärts häufig ansteht, oft auch in Klumpen im groben Korallenkalkgcröll der Uferbänke liegt.

In der Nähe des Bewani-Gebirges, so bei Zout­bron (siehe Fig. 4), treten unter 6 bis 7 m mäch­tigen Schichten weichen tonigen Bodens (c und e), die von 1 bis 2 m dicken Lagen groben Gerölles (d und b) unterbrochen und unterlagert werden, festere Gesteine (a) zutage. Es sind ,,graue tonig-kalkigc Gesteine mit wechselndem Kalkgehalt und ein graugelber bis braungelber bröckliger Sandstein mit reichlichem eisenschüssigen Bindemittel, be­stehend vorwiegend aus Quarzkörnchen und dem eisenoxydreichen, tonigen Zement, der aber auch Plagioklas, in Chlorit umgewandelte farbige Silikate und Bröckchen von eisenreichen, sehr stark umge­wandelten Gesteinen, wahrscheinlich von Eruptiv-