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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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Steinsbestandteil enthalten, von ihnen unterschieden, stehen weiche Kalksteine als Bänke am Ufer des Wasserlaufs an, der die Njau-Ebene quert. Es sind Globigerinenkalke (53.) mit mesozoischen Typen wie Globigerina cretacea und Pseudotextularien, die aber auch auf sekundärer Lagerstätte sich befinden könnten, so daß die Entscheidung, ob hier ein meso­zoisches oder ein alttertiäres Gestein vorliegt, noch aussteht.

Gänzlich verschieden von den vorher genannten Kalken ist endlich ein harter, dichter, zuweilen rosarot geflammter Kalkstein, wie er aus den Bergen nördlich des Mossu als Geröll herabkommt.

Neben Kalken sind vulkanische Ge­steine (31.) am Aufbau des Küstenberglandes beteiligt. Die ersten Vorboten treten in Bachge- röllen am Westfuß des Oenake-Gebirges als äußerst harte Plagioklas-Basalte auf. Dann finden sich unter den Kalkgeröllen des Mossu als Umwand­lungsprodukte von Peridotit dichte grünschwarze Serpentine.

Landeinwärts stießen wir erst in der Nähe der Brinoka-Schlucht in einem tief eingesenkten Bach­bett wieder auf vulkanisches Gestein. Es sind helle, graue und gelbliche Hornblende-Andesite mit langen Amphibolsäulchen und größeren Plagioklas-Ein- sprenglingen; sie überwiegen über die Kalkgerölle auch weiter südlich in dem Bach, an dessen Ufer wir unserSekofro-Lager" aufschlugen.

Von Lockerböden sind aus dem Bereich des Küstenberglandes außer dem alles deckenden Humus des Waldbodens zwei zu nennen. Auf dem Berge südlich des Mossu liegt in rund 400 m Höhe in regellosen 2 bis 4 qm deckenden Fladen von etwa

1 m Dicke eine leuchtend braunrote Erde. Ein Lockerboden anderer Art deckt streckenweise den Fuß der Korallenkalkberge. Steigt man einem der Bachbetten folgend von der Riffhöhe abwärts in die Mossu-Niederung, so stößt man unten auf starke Lagen zähen, weichgründigen Bodens. Die Regen haben ihn offenbar hier, Rifflücken füllend, zu­sammengeschwemmt. In diese Massen haben sich dann die Bäche wieder eingeschnitten, zuweilen

2 bis 6 m tiefe, senkrechte, am Grund kaum fuß­breite, kanonartige Kleinschluchten bildend. Die Wände scheinen auf den ersten Blick aus grauem Fels zu bestehen, und in der Tat klopft der Hammer laut auf; aber er trifft an solchen Stellen nur eine dickere Partie der Kalkmassen, die mit Riesel­wässern seitlich über die Wände gesintert sind. Bald läßt sich diese Kruste von der Unterlage abheben in finger- bis faustdicker Lage, innen glatt, außen mit Runzeln bedeckt, wie sie zäh herabfließender Brei annimmt; bald ist die Kruste so dünn, daß der

Hammer lautlos in den glitschigen Ton unter ihm fährt. Diese weichen Massen führen schon zu den Alluvionen der Flußniederungen über.

Eine zweite natürliche Landschaft im Nord­bereich der Expeditionsarbeiten bildet

b) das Bewani-Gebirge.

So sei die Kette mit dem gleichen malayisierten Papuanamen des Wasserlaufs bezeichnet, der uns auf ihre Flöhe führte.

Das Gebirge streckt sich im Bereich unserer Route in der Richtung Ost-SüdostWest-Nord­west. Im landschaftlichen Bilde (siehe Pano­rama IL), wie es sich aus 35 bis 40 km Entfernung von der Kohari-Höhe bot, zeigt das Bewani-Gebirge eine große Unruhe der Gipfellinien. Grob gezackte lange Rücken, massige Kuppen, breite und sanft ansteigende Kegel heben sich aus dem Gewirr der hintereinander geschobenen Bergzüge heraus.

Hier werden spätere Forschungen gewiß einen lebhaften Wechsel des Gesteins und der Tektonik feststellen; er trat uns schon auf den schmalen Pfaden unseres Ubergangs entgegen. Wir folgen hier dem ersten Bearbeiter (31.) der aufgesammelten Handstücke:Im südlichsten Teil des Bewani- Gebirges, dem Krissi-Kamm, nehmen Sand­steine einen erheblichen Anteil am Aufbau der Ketten, teils graugrüne zerreiblichc Gebilde, in denen neben Ouarzkörnern in wechselnder, oft sehr erheblicher Menge Fragmente von Tonschiefer, von basischen Eruptivgesteinen, Hornblcndestückchen, Serpentin- und Chloritflatschen, Epidotkörner und andere Be­standteile enthalten sind, teils feste, öfters kalk­reiche Sandsteine von dunkler, brauner bis grauer Färbung. In einem bräunlichen, heller und dunkler punktierten Gestein dieser Art liegen alle die zer- reibliche Sandsteine aufbauenden Komponenten in einem reichlich vorhandenen kalkigen Zement fest verbunden, das durch diesen Aufbau auf ange­schliffenen Flächen und im Dünnschliff sehr bunt erscheint. Ein dichter schwarzgrauer Sandstein, ein gröber körniger, in dem größere weiße Quarz­körner durch ein zurücktretendes graues Binde­mittel verkittet sind, machen einen älteren Ein­druck. Beide Varietäten liegen eng verbunden, aber ohne jeden Ubergang in einem und demselben Handstück vor; sie bestehen wesentlich aus Ouarz­körnern, die in der feinkörnigen Varietät durch ein tonig-schieferiges, in der gröber körnigen durch ein kalkiges Bindemittel zusammengehalten sind. Gerade die Beschaffenheit des Zementes ruft den Eindruck eines etwas höheren Alters dieser Gesteine hervor: sowohl das tonig-glimmerige Zement des fein­körnigen, wie das kalkige Bindemittel des gröberen

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