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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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Von der Ornamentik abgesehen, stimmen die Pfeilmodelle der Küstenleute mit denen der Hinter­ländler ganz überein. Die gleichfalls übereinstim­menden Knochendolche wurden schon oben (S. 9) beschrieben.

Auf Kriegspfaden sind in die Sko-Landschaft große Schilde eingeschleppt worden: östliche Küstennachbarn, nach anderer Nachricht 48. S. 253) ein Binnenstamm, fielen plündernd über Sae her, mußten aber blutig abziehen und ließen auf der Flucht etliche der Schilde zurück, die sie mit eincr Bastschnur über der linken Schulter trugen. Der auf Taf. XXXV. b abgebildete Schild ist ein 2 bis 3 cm starkes Brett von 14 kg Gewicht, in der Mitte einige 60 cm breit, etwas über 140 cm lang, mit zwei Löchern zum Durchtritt des Tragbandes oberhalb des Schwerpunkts.

Die Schilde, die wir von Angriffshafen (41.), Sissano (35. I.), Berlinhafen (37.) und Tumleo (7.) kennen, sind auch den Wutong wohl vertraut. Denn einer von ihnen ergriff mit Freuden den Schild, den ich als Fensterverschluß in einer Sae-Hütte gefunden hatte, entriß einem der Umstehenden Bogen und Pfeile und setzte sich in Kampfstellung (siehe Taf. XXII. 1). Sobald der Pfeil abgeschnellt war, drehte er dem fingierten Feind die Breitseite des Schildes zu, tänzelnd, um ihm das Zielen zu er­schweren.

Ob die Wutong den Schild im Ernstfalle führen, kann ich nicht aussagen. Bezeichnend für den Handelssinn der Sko-Leute ist, daß sie wenige Tage, nachdem unser Interesse an diesen Schutzwaffen offenbar geworden war, nagelneue, den alten nach­geahmte, aber grell bemalte Schilde (S: ovvl) uns zum Tausch anboten.

e) Verke h r u n d T a u schhan.d e 1.

Daß sie im Verkehr mit ihresgleichen be­stimmte Gegenstände, die beide handelnde Parteien gleichmäßig einschätzen, als Wertmesser benutzen, scheint mir sehr wahrscheinlich. Der Schluß gründet sich einstweilen nur auf die völlige Gleichheit der Gegenstände, die sie hoch bewertet am Leibe trugen, mit solchen, die weiter östlich als Preismaß­stab gelten. Diese Objekte seien mit Angabe des Tauschwertes aufgezählt, den sie auf der nicht allzu weit entfernten, den Eingeborenen im Sko-Gcbiet bekannten Insel Tumleo haben; dabei stütze ich mich auf wiederholt nachgeprüfte Angaben eines Tumleo-Mannes, mit dessen Sprache und Denken ich nähere Fühlung gewonnen hatte.

Die kunst- und mühevolle Arbeit und die Ver­wendung der Eberzähne sowohl als der Nassa-

Schnecken, die an und für sich schon Kurswerl be­sitzen, gibt dem Brustschild den gleich hohen Wert wie dem Ring, der mittels scharfen Bambusstumpfes und mit Sand als Schmirgel aus einem flachen Schalenstück der Tridacna-Muschel (T: talel) quir­lend gebohrt wird. Der Sko-Mann, der einen solchen Tridacna-Ring (T: tsema-aim) trug, war nicht zu bewegen, ihn auszuhandeln. Ringe von größerem Durchmesser werden selbst als Armband, die größten meinem Gewährsmann nach an einer Halsschnur auf der Brust getragen. Für rund zwan­zig Tridacna-Ringe sollen auf Tumleo eine Hütte oder ein großes Kanu käuflich sein. Die Größe des Ringes normiert seinen Wert. Mit rund 4 cm Durch­messer wiegt ein Tridacna-Ring nur etwa zwei, bei größtem Durchmesser aber bis zu dreißig Rieb- Ringe auf. Diese werden nur zu je einem Stück aus dem Gehäuse einer Meeresschnecke (T: tsameu) zu­nächst mit scharfen Steinen als Scheibe ausgeschla­gen, auf Stein mit Wasser glatt geschliffen und dann wie die vorher genannten zu Ringen gebohrt, um fertig am Armband, im Schildpattreif des Ohres, im Hals- oder Beinring getragen zu werden. Für einen guten Rieb-Ring geben die Bewohner des gegen­überliegenden Festlandes Sago im Gewicht einer guten Manneslast oder einen der großen gelben Paradiesvögel zum Tausch. Fünf Kasuar-Dolche oder ein Bogen und zwanzig Pfeile gehen auf einen Ring. Denselben W T ert hat auch ein Haufen Taro- oder Yamsknollen oder Süßkartoffeln, je genügend, zwei Wochen einen Mann zu sättigen, oder eine Schnur Fische, die dazu eine Woche vorhält. Ein lockeres Mädchen würde, so wurde mir ernst ver­sichert, um eines Ringes willen für eine Nacht sich gern preisgeben. Für zwei Ringe ist ein Masthund, für zehn ein Schwein zu kaufen.

Einen nächst niederen, etwa den halben Wert des vorhergenannten stellt von Conchylien-Ringen der in Tumleo peij (S :) genannte dar, der aus einer Trochus-Art geschnitten ist.

Andere Objekte, die in Tumleo bestimmten Kurswert besitzen, unseren Sko-Leuten aber fehlen, sind einzeln oder in Schnüren aufgereihte Schnecken bestimmter Art, von denen zehn Einzel­schnecken für einen Pfeil oder zwei Mahlzeiten Süß­kartoffeln gegeben werden; ferner gehören hierher geschnitzte Schildpattringc (T: laö), Eckzähne des Hundes (T: aun-jalun), große Eberhauer (T: Isau- weij), Holzperlen (T: ran-ran-ieij), und endlich Töpfe (T: pier), die in größeren Mengen an die Festlandbewohner vertauscht werden.

Alle diese Werte werden nach Ort und Zeit, Bedürfnis oder Liebhaberei des Käufers und Ver­käufers schwanken. Wie weit die Wertmaße, deren