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Kilometer vor der Mündung nordwestliche Richtung, während er heute fast direkt auf das Kap Germaniahuk zu in nordnordöstlicher Richtung sein trübes Wasser ins Meer ergießt.
Die Mündung des Tami hat sich um rund 600 m nach Osten verschoben. Der Fluß hat (siehe Panorama IV.) die Landzunge (bei a) zerrissen und sich den kürzesten Weg zum Meer gebahnt. Durch seine alte Mündung (bei b) strömt jetzt im verödeten Endlauf das Aleer in umgekehrter Richtung als ehedem der Fluß und sucht in geschlungenen Rinnsalen, einen Waldrest (bei c) inselartig umgreifend, über die alte Landzunge den Weg zum Strand zurück.
Mit starkem Strom hält sich der Flu Li sein Mündungsbett frei von Sedimenten und überantwortet die Baumstümpfe, die er in der Hochflutzeit des Südsommers zu Tal fördert, der Meeresströmung, die von Osten nach Westen setzt.
Diese Richtung ist nicht nur an den Mengen Schwemmholz und vertorften Holzes aus dem Binnenland längs der Sandküste zu erkennen, sondern auch an der gelben Verfärbung des Meeres, die sich, meist mit haarscharfer Grenze gegen das Blau des reinen Ozeans, nach Westen zu auszieht.
Die Wellen des Meeres pflanzen sich bei bewegter See über den brandungsfreien Stromstrich der Mündung hinweg, noch etwa 100 m weiter flußaufwärts fort. Wo aber die Gewalt des Mündungsstromes im Meer erlahmt, fallen die groben Sinkstoffe zu Boden und häufen sich mit dem Sande, den die Brandung bewegt, rechts neben der Mündung zu Sandbänken an. Ein Teil der Anschwemmungen ist landfest am rechten Ufer angelagert, aber ohne dauernden Halt: Mit knapper Not konnte, was auf solchem Boden von Lagerschuppen und Hütten unserer Expedition so sicher wie hier wurzelnde Kokospalmen zu stehen schien, vor einer Aprilhochflut, die alles wegfegte, gerettet werden.
Vergänglicher noch sind Sandbänke, die vor unseren Augen über Untiefen frei aus dem Meere stiegen, von zusammenstoßenden Ausläufern entgegengesetzter Wellensysteme umflossen.
Der Sandstrand der Niederung bietet für Kanus vorzügliche Landung, und unmittelbar dahinter gedeiht üppig die Kokospalme. Auch sonst vereinigt die Natur hier alles, was der eingeborene Mensch zum Leben braucht. So sehen wir denn diesen Küstenstrich, die Sko-Landschaft, mit mehreren Dörfern (siehe Karte) besetzt; wir wollen bei ihnen etwas verweilen.
4. Die Bewohner der Sko-Küste.
a) Siedelurig, Hüttenbau u n d H a u s - g e r ä t e.
Die Zeichen, daß hier Menschen wohnen, sind im Wald versteckt, der in geschlossener Decke über die Ebene und die Berge im Hintergrund zieht; aus seinen Kronen quillt hie und da grauer Qual-m, an anderen Stellen ist im Grünen der Giebelaufsatz eines Geisterhäuses zu entdecken. Durchqueren wir aber den Strandwaldgürtel, dann sehen wir die Hütten (siehe Taf. XIX.) — im Dorfe Sae sind es 11 ■—■ freundlich und frei auf lichter Fläche stehen; in ihrer Anordnung konnte ich keine Regel erkennen. Ein schmaler Weg führt vom Strand durch Gebüsch und Gras an einem Kokoshain zur Einken, am Geisterhaus zur Rechten vorbei durch eine Zaunöffnung zum M änne r h a u s. Es ist auf den ersten Blick der Pyramidenform der angrenzenden Wohnhütten gegenüber durch seinen langgestreckten Dachfirst und seine beträchtlich geringere Höhe gekennzeichnet. Vier Dachflächen, paarweise gegenständig, sind zu zählen: zwei von regelmäßig dreieckiger Gestalt, die mit ihrer Spitze je an ein Ende des Firstbalkens stoßen, und zwei von der Gestalt symmetrischer Paralleltrapeze, deren obere kürzere Begrenzungslinien im First zusammenstoßend)
Im Schatten des Daches hocken die erwachsenen Männer des Dorfs, von halberwachsenen Jünglingen bedient, schwatzend, Siri kauend oder im heißen Nachmittag zum Schlaf lang hingestreckt, mit einem zylindrischen Stück weichen, tupelo- ähnlichcn Holzes (T: aitob, M: uns) 2 ) als Stütze
*) Darin unterscheiden sie sich bemerkenswert von den Dächern der Wohnhäuser am Sentanisee, mit denen sie verglichen worden sind (48, S. 137), deren Dach aber nur zwei Flächen, und zwar von Parallelogramm-Gestalt, besitzt, während gleichzeitig an Stelle der Dreiecksflächen des Daches senkrecht hochstrebende Wände, Giebelfronten, getreten sind. Der Versuchung sei widerstanden, die eine Hausform aus der anderen abzuleiten. Auch der Vorstellung (13, S. 73), daß sich an der Sko-Küste die Verbreitungsgebiete eines westlichen und eines östlichen Hüttentypus mischen, stehe ich so lange zweifelnd gegenüber, als wir von der Konstruktion der verglichenen Häuser so wenig wissen. Es müßten ferner in jedem Einzelfall über die praktische Bestimmung eines Gebäudes ausdrückliche Beobachtungsnotizen vorliegen. Ihr Mangel nimml der Skizze eines „Tempels" oder der in sich widerspruchsvoll signierten Photographie eines „Kariwari-mannenhuis" (58, S. 101) den sicheren Vergleichswert. Bevor wir ferner nicht wissen, welche Beweggründe, vielleicht rein ideeller Natur (48, S. 137), die Eingeborenen veranlassen, in einem und demselben Dorf verschiedene Konstruktionen auszuführen, so lange fehlt einer geographischen Betrachtung der verschiedenen Haustypen die unentbehrliche kulturgeschichtliche Unterlage, die ihr erst wissenschaftlichen Wert gibt.
2 ) Um den Vergleich mit dem äußeren Kulturbesitz westlich sich anschließender Stämme zu erleichtern, sind, wo