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Ring kommen wir unten bei Betrachtung* des Geldes zurück.
Die Armringe, die als Halter für den Dolch oder ähnlich gestreckte Gegenstände praktischem Gebrauch dienen, bilden den Ubergang zu einer dritten Gruppe von Gegenständen, die am Leib getragen werden, aber weder zur Kleidung noch zum Schmuck zu rechnen sind. Sic werden, wie bei uns das Täschchen der Damen oder der Spazierstock des Mannes, getragen, um im Gebrauchsfall zur Hand zu sein. Wir wollen deshalb von einer H andgebrauchst r acht sprechen.
Dazu ist der Armring (Taf. XXIV. 3, linke Figur, unterer Ring, J: nakä, M: bariao-danär) zu zählen, der aus einem einzigen groben Rotang- Stfeifen zusammengelegt ist. Er dient, wie mir von den Eingeborenen mitgeteilt wurde, als Feuerzeug: wird abgewickelt, mit jedem Ende in eine Hand gefaßt und in der Mitte so eng in sich zurückgebogen, daß er durch abwechselnd Rechts- und Links-Anziehen in der Umbiegestelle fest gegen ein Stück trockenen Holzes reibt, bis Funken auf feine, dürre, leicht entflammte Kokosfasern fallen.
Einem häufig wiederkehrenden Bedürfnis dient der Juckstab (S: lä, T: matjel-matien, M: kau- nerepo), flach lanzettlich, 3 bis 4 mm dick und bis zu 60 cm lang, aus harter Sagopalmrinde geschnitten ; er wird wagerecht im Stirnhaar getragen (siehe Taf. XXVI.). Das Kratzen gegen den Juckreiz der Läuse ist der Hauptzweck dieses Haarstochers; die Ase-Männer vom Sentani-See südlich des Cyklo- pengebirges (48. S. 3) ziehen mit ihrem Juckstabe die gekochten Paludina-Schnecken aus den Gehäusen, den Männern von Tobadi (48. S. 65) dient er als Zahnstocher. Im Gebiet der Peniskapseltracht endlich sah ich mehrfach das Stumpfende des Stabes dazu dienen, das grüne Blatt zwischen Penis und Kapselrand und dann den Hodensack einzustopfen — kurzum der Juckstab ist ein vielseitiger Handle (brauch sgegenstand.
Ebenfalls im Haar wird der Kamm (S : lafi, T: rangarin, M: tsam) bereitgehalten, mit dem sie den wirren Filz sich aufstochern, daß er in ganzer Fülle vom Kopfe abstehe. Die Kämme der Sko-Leute und weiter landeinwärts die aus der Gegend von Sekofro (siehe Taf. XXXVIII. a—f) sind sämtlich aus dünnen Palmholzstäbchen zusammengeflochten. Im einfachen Fall sind die Zinken, meist 8, selten 7 oder 9, am Konvergenzende durch feinstes, wenige Finger breites Rotang-Geflecht verbunden. Meist aber setzt sich dieses Ende in ein langes, schlankes, elegant geschweiftes, bald einfaches, bald gegabeltes Stäbchenwerk mit feinen Ouerverschnürungen, mit Ausschnitten,
Ouerhörnern oder Federbesätzen fort, die, den Gebrauchsteil des Kammes um mehr als das Doppelte an Länge übertreffend, als Zierrat weit über das Haar stehen.
Endlich gehören zur Handgebrauchstracht zweierlei Taschen. Ein Rückentäschchen (oder Tabakskörbchen, 48. S. 16; J: lä), aus Kokosblättern geflochten und mit verschnittenen Federn geziert, dient zur Aufbewahrung von Tabak, Betel-Nüssen und Pfefferkölbchen.
Die Betel-Kalkbüchse dagegen, aus einem Flaschenkürbis hergestellt und in derselben Weise, wie wir es vom Bismarck-Archipel her kennen (24.), brandornamentiert, wird mit allem möglichen anderen kleinen Besitz in der Schultertasche (J und S: ha, T: ja'iel, M: mandän) aufbewahrt, einem großen, strickgeflochtenen Sack, der an einem Tragriemen von Bast über die Schulter gehängt wird und bis zum Gesäß herabreicht.
Die Schultertaschen, im Gebiet des oberen Se- pik reich mit Federn verziert (siehe Taf. XLII. f), sinken bei den Sko-Männern zuweilen auf so kleines Format (14 cm Länge) herunter, daß sie an die Miniatur-Netztäschchen erinnern, die uns im Innern des Landes als Behälter allerhand verschwiegenen Besitzes begegnen.
Man müßte Monate lang unter den Eingeborenen weilen, vor allem die Tätigkeit der Frauen kennen lernen, um sagen zu können, was von allen den vorgenannten Gegenständen eigene Arbeit, was den Nachbarn entlehnt ist.
d) Waffen.
Sicher ist, daß die Sko-Männer Bogen (S: tjä) und Pfeile S: bei) von den benachbarten Wutong in Menge einhandeln. Die Wutong-Leute schnitzen, umflechten und zieren die Bogencnden reich mit bunten Federn, während die im Sko- Gebiet selbst gefertigten schmucklos sind. Die Ornamentik der Pfeile in beiderlei Dörfern ist ebenfalls verschieden; jeder Eingeborene sortiert aus einem Bündel auf den ersten Blick einheimisches und eingehandeltes Material. Bis weit ins Innere des Landes hinein sind beiderlei Pfeiltypen verbreitet.
Von einem Waffentauschhandel zwischen Insel und Festland berichtete mir ein Monumbo vom Festland gegenüber der Insel Manam: seine Dorfgenossen schnitzen Speere für die Bewohner der Insel Tumleo; die liefern ihnen dafür Bogen und Pfeile, deren Schaft sie aus einem bei der Hütte angepflanzten Rohr (mit einem Blütenstand, der als Schmuck im Haar dient) fertigen.