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Neu-Guinea / von Maximilian Krieger. mit Beitr. von A. von Danckelman ...
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e. Krankheit, Tod, Begräbnis.

Krankheit ist wie bei allen Papua so auch nach der Ein­bildung der Eingeborenen in Holländisch-Neu-Guinea die Wirkung von Zauberei oder das Werk feindlicher Dämonen. Man hilft dem Kranken durch Opfer, die man selbst den Geistern bringt, oder durch die Vermittlung von Zauberern, indem man den Dämon, der seinen Sitz in dem Körper des Kranken aufgeschlagen hat, ver­treiben lässt. Kranke, welche länger leiden, erbitten oft von ihren Verwandten den Tod, und phantasierende oder unheilbare Kranke tötet man auch gegen ihren Willen aus Furcht vor den bösen Geistern, die in ihnen hausen. Man fürchtet auch, dass sie durch ihren Auswurf oder Ausdünstungen die bösen Geister auf die Matten, Gefässe und Speisen der Gesunden übertragen. In Sekar ist die Furcht vor Ansteckung so gross, dass, wenn jemand ausser­halb des Hauses gestorben ist, die Leiche nicht in das Haus ge­bracht werden darf. Ebenso müssen in Doreh die Totengräber, ehe sie nach dem Begräbnis das Haus wieder betreten, [sich erst reinigen und baden, damit alles Unreine, was ihnen von dem Toten noch anhaftet, entfernt werde; 1 ) so treibt die Geisterfurcht die Ein­geborenen zu hygienischen Vorkehrungen, die sie vor Ansteckungs­gefahr und Epidemien aufs beste bewahren. Als häufigste Krank­heiten finden sich Hautübel (Cascas); die Haut der Leute ist dann ganz mit Schuppen bedeckt und nach den Schneckengängen, die sich auf der Haut zeigen, scheint die Krankheit durch eine Milbe erzeugt zu werden. Schnitt-, Stich- und andere Wunden werden als zu geringfügig erst gar nicht gepflegt, eitern aber und ver­schlimmern sich oft derart, dass sie nicht selten den Tod des damit Behafteten herbeiführen.

Beachtung findet bei den Papua üherhaupt das Leiden erst dann, wenn der Kranke nicht mehr herumgehen kann und keine Nahrung mehr zu sich nimmt. Man versucht dann alles mögliche, und wie ein Opferlamm lässt der Leidende alles über sich ergehen. Man legt zunächst grüne Blätter auf die eiternde Wunde oder den kranken Körperteil, nimmt Fischbrühe oder den Aufguss einer grossblättrigen, schleimigen Pflanze zu sich, schnürt kranke Glieder fest ein oder ritzt mit einem Flaschenscherben die Kopfhaut, um Bluterguss herbeizuführen. Bleibt das alles wirkungslos, so muss

*) Hasselt, Trauerfeierlichkeiten U. s. w. S. 118ff.