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eindeutig definiert und den alten Namen Tatoga wiederhergestellt. 1 )
Die Sprache wird in mehreren Dialekten gesprochen. Die vorliegenden Quellen beziehen sich fast ausschließlich auf die, wie es heißt, reinste Mundart von Manati; sehr schätzenswerte Parallelen aus der Mundart der in Ufiome angesiedelten Tatoga hat Kannenberg aufgezeichnet, über die dialektisch angeblich ziemlich verschiedene Sprache der Simityek ist nichts näheres bekannt. Die Angaben der folgenden Studie beziehen sich daher ohne weiteres auf den Manatidialekt, ein beigesetztes „(Dial.)“ deutet die in Ufiome gebräuchliche Ausdrucksweise an. Sagiros Leute sprechen außer der Muttersprache sämtlich Njamwesi, und in Ukerewe und Ussukuma ist das ganze Tatoga schon stark mit Bantuelementen versetzt.
A. Lautlehre.
Durch die wechselseitige Ergänzung und Korrektur der verschiedenen Quellen sind wir über den Lautbestand des Tatoga leidlich unterrichtet, obwohl diese Sprache bisher nicht mit den Mitteln der wissenschaftlichen Phonetik niedergelegt worden ist. Schreibt z. B. der eine Autor e, der zweite i, so ist der betreffende Laut entweder als e oder i aufzufassen, was durch Berücksichtigung einer dritten Quelle zu entscheiden ist; fehlt beim einen Gewährsmann ein Vokal, den der andere verzeichnet, so ist der Vokal als vorhanden, aber kurz anzusehen usw. Ich habe diese Transskriptionsmethode, die sich naturgemäß stets dem Sprach- charakter entsprechend modifiziert, bei Verarbeitung von fremden Materialien in ein sonst auf eigenen Aufnahmen beruhendes Yaunde-Wörterbuch angewandt und dabei ihre Fehlerquellen und -grenzen studiert. Die Sicherheit des Ergebnisses wächst ungefähr proportional dem Quadrate der Anzahl der verschiedenen verwerteten Quellen; auf Sprachgebieten, deren phonetische Gesetze bereits klar erkannt sind, dürften sich die wesent- lichenFehler überhaupt aufeinMinimum zurückführen.
Danach lassen sich die Konsonanten des Tatoga in folgender Weise gruppieren:
Explosivä.
Nasale.
Frikativä.
Semi
vokale.
Velar . . .
k nk g ng
n
z y
Palatal . .
tj d j. gj
n
t
Z> s j
y
V, f
t nt d nd
n
r 1
Alveolar '
1
ts
s,s dz
Dentilabial
f V
Bilabial . .
p b mb
m
V
w
Bei Werth er a. a.
0 ., S. 370.
In auslautender Stellung finden sich die folgen-
den Konsonanten und Konsonantenverbindungen; d, dj, f, g> gb h. kfi 1 , m, n, nd, nt, n, nk, nt, r, rt, s, sk, st, st, t, tj, ts, y, yt, yt; außer den in der Tabelle schon angeführten echten nasalen Verbindungen sind noch die folgenden Konsonantenverbindungen aus- bzw. inlautend beobachtet: fg, lt, kt, ld, ran, mg, nd, rd, rdj, rg, sk, st, st, tg. Über die Entstehung einiger dieser Vorkommnisse siehe im grammatischen Teil unter Kl. 2 der Nomina.
Dafür, daß viele der Lenes, zunächst natürlich die auslautenden, eigentlich stimmlos sind, spricht der folgende, bei der Suffigierung von -a häufig be- , obachtete Wandel: get „Haus“ und geda, banek „Fleisch“ und banega, fwatj „geh weg“ und fwadja.
j ist entweder aus g entstanden (siehe „Berg“), oder Gleitlaut (siehe „Feuerquirl“), y kann durch Assimilation aus g entstehen z. B. im Verbalpräfix go: yoyena „faulen“. Beachtenswert ist aber auch der in vielen nilotohamitischen Sprachen vorliegende, individuelle Wechsel von ’ bzw. y mit einem Teil der ; k-Laute (der Tatoga); es dürfte dies k dem q der kuschitischen Sprachen entsprechen (da dem Nilotohamitischen die „Emphase“ zu fehlen scheint), so wie ich selbst jüngst in Eysa-Somali den Wechsel | von q und ’ beobachtete (vgl. Reinisch, Somali- | spräche, Bd. III, p. 15 f- u - wo auch q = y), was mir auch durch D. Westermann für das Hausa bestätigtwird, übrigens auch aus MeinhofsMbulunge- Aufnahmen unschwer zu entnehmen ist. 1 ) Auf eine ; andere phonetische Beziehung des Tatoga zum Somali hat schon Meinhof aufmerksam gemacht (Ndorobo,
: a. a. O., S. 119).
Vokalisiertes 1 (silbenbildend) liegt vor in llä
0
„sechs“. An Faukalen finden sich nur der leise, feste und gehauchte Einsatz.
Die Vokale sind die folgenden: i, i, e, e, a,
a, o, o, o, u, sowie e. a und e sind nur kurz nach- — • 0*0
gewiesen, sonst können alle Vokale kurz oder lang sein. Mit e bzw. o habe ich sowohl eine mittlere, als auch eine näher nicht bekannte Artikulation wiedergeben müssen; ebenso ist die durch das Fehlen von e und u bedingte, zuerst auffallende Parallele i zu o lediglich der ungenügenden Beschaffenheit
M Dieser Ausfall des lingualen gegenüber den andern Artikulationsmomenten ist etwa dem in vielen Bantusprachen häufige Nebeneinander von Kl. 5 li und i zu vergleichen. Man beachte ferner, daß in den Stumm eschen Beduinenliedern, in denen alle „emphatischen“ Laute verschwunden sind, für q nicht k, sondern g eintrat. Die algerischen Juden sprechen q als ’, und auch für Teile Marokkos z. B. Tetuan ist diese Ausprache gut bezeugt.