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^steckt. Hakengabel für den Dornzaun. Im westlichen Mangati gesehen: flache Holzschüsseln zum Hehltragen, wie die, in denen unsere Metzgerburschen das Fleisch bringen.
Tracht, Sitten, Gebräuche.
Hierin erinnern die Tatoga sehr an die Massai. Die Lederumhänge sind meist, wenigstens bei den Männern, durch erhandelte Baumwollstoffe ersetzt, die im Schlamm einer Pfütze die nötige braune Farbe erhalten. Wie bei den Massai besteht der Schmuck der Frauen aus zahlreichen Halsketten (aus aneinandergereihten Glasperlen), den tellerförmigen Halsspiralen, vielen eisernen Armspangen (etwa io an jedem Unterarm sah ich einmal) und manschettenartigen Armspiralen. Die Spiralen aus Messingdraht. Abweichend von der der Massai ist die Frisur. Die Weiber tragen den Kopf nicht kahl rasiert, sondern schmieren sich die Haare mit roter Erde und Fett ein, die Männer nur mit Fett, nicht mit Erde. Von Waffen wird der Speer, der ein etwas breiteres Blatt hat als die modernen Massai- speere, am meisten getragen.
Vollständig stimmen folgende Gebräuche bei Massai und Tatoga überein: die Rinde einer von den
KÜ Ö U Ö
Tatoga bardjomur, von den Massai engloriti genannten Akazienart 1 ) wird abgeschält und mit Holz zerschlagen, dann einen Tag lang in Wasser gelegt. Dieses Wasser, das nicht sehr bitter schmeckt (Tatoga njodet, Massai engare engloriti), trinken sie und regen sich daran zur Kriegslust auf. Auch das Blut der Rinder trinken die Tatoga. Sie zapfen es ab, indem sie die Halsader zuschnüren und mit besonders hierzu dienenden Pfeilen anschießen. Das Blut wird in Töpfe gefüllt, umgerührt und das Gerinnsel weggeworfen, das klare Blut mit Milch oder auch mit Honig vermischt getrunken. Dieses Getränk wird auch von Kranken als Arznei genossen.
Wirtschaftliches Leben.
Die Tatoga waren einst, so berichtete mir mein Tatogaführer Kambesinde, nur Viehzüchter wie die Massai, bauten keine Temben, sondern umzäunte Krale mit Hütten, ähnlich denen der Massai, aus Rindshäuten, mit Rindermist verschmiert. Je nachdem die Futterverhältnisse es erforderten, zogen sie im Lande herum. Seit der Kindheit meines Berichterstatters (etwa 1875, wenn ich sein Alter richtig schätzte), zur Zeit der großen Viehsterbe, siedeln sie sich in Temben an und bauen Mtama, etwas Mais und Kürbisse an, treiben aber auch jetzt noch
1 ) Merker, Die Masai, Berlin 1904, S. 179, bringt die fonn ol giloriti und gibt an, daß es Acacia abyssinica ist. iVIitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungsheft 4.
m erster Linie Viehzucht. In der Regenzeit bebauen sie die Felder. Das Vieh findet unterdessen m der Nähe der Temben genügend Futter, das ja überall schnell emporsprießt, und braucht nicht in die Steppe getrieben zu werden. In der Trockenzeit gehen sie in die Steppe und weiden das Vieh wie früher, nachts wird es in den Kral getrieben. Eine Frau begleitet den Mann in den Kral, die andern bleiben in der Tembe zurück. Manche Leute, die Vieh genug besitzen, haben die alte Lebensweise als reine Viehhirten beibehalten.
Viehzucht: Rinder, Esel (besonders in
Madumega gesehen), Ziegen und Schafe. Das Vieh hüten im allgemeinen die Männer, das Kleinvieh auch Knaben.
Ackerbau : Negerhirse (Mtama) ist das bei weitem vorwiegend angebaute Gewächs. In Ost- mangati ausgedehnte Mtamafelder, lusweilen auch Tabak dazwischen gepflanzt. Häufig stehen auf den Feldern kleine Lauben, auf deren Dächern zur Zeit der Fruchtreife ein Mann als Vogelscheuche tätig ist.
Häuptlinge.
Der Akida Maussa (Taf. I, Abb. 8), der in der Landschaft Tungobesch ansässig ist, ein schmer- bäuchiger, schnapsliebender Herr, dem Aussehen nach wohl ein Mischling, beherrscht die hochgelegenen Tatogalandschaften westlich der Bruchstufe, der Jumbe Marumbi das tiefgelegene Mangati an deren Fuß.
Historisches.
Die Ruinen von Steinhäusern, die U h 1 i g und ich 1904 in Engaruka (südlich des Magadsees) beobachteten, sollen, wie ich nun von dem Führer Kambesinde erfuhr, von den Tatoga stammen, die sich darin gegen die Massai verschanzten. Jetzt leben dort keine Tatoga mehr.
3. Wakindiga.
Ich habe niemals einen Vertreter dieses kleinen Volksstamms gesehen, erhielt aber von mehreren Seiten so bestimmte Nachrichten darüber, daß meine ursprünglichen Zweifel an seiner Existenz geschwunden sind.
Leute aus Mkalama (Issansu) erzählten: Die Wakindiga (ich hörte stets Wakindiga, nicht Wa- tindiga) leben zerstreut in den buschreichen Bergen südöstlich des Njarasasees. Sie leben von Jagdbeute und Wurzeln, die sie graben. Häusei bauen sie nicht, sondern lagern, wo sie ein lier eilegt haben, und ziehen weiter, wenn das Fleisch aufgegessen ist. Die Wald (Waslü) sind mit ihnen eines Stammes. Mit diesen Namen werden die Leute von
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