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Holzschnitzerei nicht bedeutend. Webeiei gibts nicht. Rindenzeuge gibts nicht. Metalltechnik unbekannt.
Politische Verhältnisse.
R e g i c r u n g s f o r m : Isara ist alleinigel
Häuptling (mangi), hat etliche Akiden unter sich. Seine Mutter, allgemein Mama Isara genannt, scheint seine Stellvertreterin im südlichen Landesteil zu sein. Mama Isara hat ebenfalls etliche Akiden unter sich. Isara und seine Mutter vei- trugen sich zur Zeit ausgezeichnet.
Vor dem soeben (August 1906) geführten Krieg'e, bei dem Isara wohl aus politischer Klugheit regierungstreu geblieben und deshalb vertrieben worden war, scheinen manche Akiden ihm gegenüber viel selbständiger gewesen zu sein.
(NB.: Der Akide Maussa ist ein Tatoga, seine Leute auch, gehören also ethnographisch nicht zu den Irakuleuten. Doch läßt obige Angabe von Dschagwe (S. 96) darauf schließen, daß ein gewisser politischer Verband besteht.)
Der Mangi erhält: Die Hälfte des büra- und dangali-Getränks. Von der Ernte an Mtama, Mais und bassöro bringt ihm jeder einen Korb voll. Vom Vieh keine Abgaben, nur auf Reisen erhält der Mangi von jedem Akiden je ein Rind am Tage des Aufbruchs und eines am Tage der Rückkehr.
Besondere Abzeichen nicht bemerkt, es sei denn die Kopfbedeckung (S. 98).
Das Land ist abhängig nur von der deutschen Regierung.
Rechtspflege und soziale Verhältnisse.
Das Haus und das zugehörige Ackerland wird an den ältesten Sohn vererbt.
Von Standesunterschieden, Kasten, Dienstboten, Sklaven nichts bemerkt.
Familie.
Polygamie : Der etwa 13jährige Bruder
von Isara hatte schon zwei erwachsene Frauen. Isara hatte mehrere.
Die Verwandtschaft wird weit verfolgt. Ein Führer von mir war „nah verwandt“ (Kisuaheli ndugu) mit Isara. „Sein und Isaras Großvater hatten dieselbe Mutter.“
Religion.
Irgendwelche Kultusgegenstände habe ich nie gesehen, noch irgend etwas von dem religiösen Leben bemerkt. Es scheint also, daß die Religion wenigstens äußerlich im Leben keine große Rolle spielt.
Sprache.
! Sprache hart, mit Kehllauten, stark aspi- ' riertem h, fast wie Schweizer ch, von mir kh o- e _ 1 schrieben. Auch Vokale sprechen sie manchmal hinten im Gaumen. Auffällig ist die scharfe I Trennung verschiedener Vokale, von mir mit ’ be- ; zeichnet, z. B. de’eti (Körbchen), Se’ane (Bergname). Von den Sprachen der Nachbarvölker sehr verschieden, so daß sie sich gegenseitig nicht ver- I stehen (Tatoga, Umbugwe). Z. B. hörte ich Isara mit einer Umbugwefrau Kisuaheli sprechen. Die ! wenigen von mir aufgezeichneten Worte hat Bernhard Struck freundlichst bearbeitet (Abschnitt XVI).
| 2. Die Tatoga.
Geographie und Statistik.
, Die Tatoga bewohnen die Landschaften Tun- gobesch, Madumega, Nar, Baschened (alle nach Gewässern benannt) auf dem Hochland von 1900 bis 2200 m, das an die große Bruchstufe des zentralen Deutsch-Ostafrika angrenzt, sowie Mangati am Fuß dieser Bruchstufe und am Nord- und Nordostfuß des Vulkans Ngurue in 1500 bis 1700 m. Der Berg wird 1 von ihnen Hanang genannt. Einige Tatogakolonien befinden sich in Ussukuma, so angeblich in den ! Landschaften Ntussu und Muagalla, eine kleine, mit Washashi vermengt, trafen wir im Dorf Hantadjiga (an der Straße Muansa—Ikoma gelegen) an. Sic selbst nennen sich Tatoga, Wataturu ist wohl Kisuaheliname, Mangati (d. h. Fremde) heißen sie ! bei den Massai.
Siedelung nur vereinzelt in geschlossenen Tem- benkomplexen, meist sind die Temben einzeln über das Land zerstreut. Das Land ist wellige bis stark hügelige Steppe mit viel Gras und weniger Busch und Baumwuchs. Im Osten der hochgelegenen Teile, unmittelbar an der Bruchstufe Urwald, aus dem die Bäche des Landes kommen. Auch Mangati am Fuß der Bruchstufe ist Steppenland, bewässert vom Baschened und Bubu, die von der Bruchstufe herabkommen, sowie von periodischen Bächen vom Hanang (Ngurue). Die Tatoga sind jetzt überwiegend seßhafte Ackerbauer, zum Teil nomadisierende Viehzüchter.
Die Anzahl der Temben in den Landschaften des Akida Maussa (hochgelegener Teil) schätzte ich auf 1000, in Mangati, wo wir nur einen kleinen Teil des Landes sahen, dürfte es mindestens 500 Temben geben. Fünf Bewohner pro lemhe scheint mir gering angesetzt, da die Leute mehreic Frauen haben. Die Anzahl der in dem Hauptgebiet