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XV. Ethnographisches.
(Hierzu Tafel I bis III.)
Im folgenden gebe ich unsere ethnographischen Beobachtungen und Erkundungen wieder, die zu speziell sind, um in der landeskundlichen Beseht ei- bung der einzelnen Gegenden Platz zu finden. Die Aufzeichnungen sind der Kürze halber ohne Stilisierung aneinandergereiht, in der Reihenfolge sich anschließend an die vom Königlichen Museum füt Völkerkunde in Berlin herausgegebene Anleitung für ethnographische Beobachtungen und Sammlungen in Afrika und Ozeanien. Da ethnographi- sehe Forschungen nicht in unserm Plan lagen (S. 4), so konnten wir uns nur gelegentlich etwas eingehender damit befassen. Das muß die Unvollständigkeit dieser Aufzeichnungen entschuldigen. Die gesammelten Gegenstände, auf die hier manchmal Bezug genommen ist, sind im Besitz des Königl. Museums für Völkerkunde in Berlin.
1. Iraku.
Geographie und Statistik.
Über den Namen von Land und Leuten widersprechen sich die Angaben. Im September 1906 sagt Dschague (Kisuaheliorthographie wäre Chagwe), Land heißt ,,Iraku“, ,,Mburu“ ist Kisuaheliname, Leute ,, Wairaku“, zwei „Mangi“, Isara und Akida Maussa, welche Adele Akiden unter sich haben. (N. B. Der Akida Maussa und seine Leute sind Tatoga!) März—April 1907 hörte ich stets, auch von den Offizieren des Postens, daß Mburru oder Umburru = das Land Isaras, Iraku = ein Stück des Landes der Mama Isara. (Isaras Mutter, im Lande Mama Isara genannt, ist Unterhäuptling im südöstlichen Teile des Landes). Auch wurde ge-
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sagt Iraku seien die Leute bei Mama Isara und beim Unterhäuptling Dafi.
Das ganze Gebiet liegt in etwa 35%° ö. L. v. G. 3 %° S. Br. in Deutsch-Ostafrika und erstreckt sich etwa einen Tagemarsch in Länge und Breite.
Die Irakuleute sind wohl als Hamiten zu bezeichnen. Nachbarn: im S die Tatoga, im O, am Fuß der großen Bruchstufe, Wambugwe, im W und N Wildnis, früher von Massai, jetzt nur von Wakindiga durchstreift.
Das Land hat keine geschlossenen Dörfer, sondern die Hütten liegen einzeln über die Felder zerstreut. Die Einwohnerzahl schätzte Feldwebel Scheffel auf 30 000. Die bewohnte Fläche mag 500 qkm betragen, also 60 Einwohner pro qkm. Stimmt gut überein mit Isaras Angaben über die dui chschnittliche Größe des Ackerlandes (S. 99).
Mburu_Iraku ist ein Bergland von 1500—1900 m
Meereshöhe, umgeben und unterbrochen von Bergen bis 2300 m. Grasland, sehr bachreich, an den Grenzen Regenwald.
Bevölkerung scheint durchaus einheitlich. Natürlich leben seit Anlage des Militärpostens außer den Europäern und den schwarzen Soldaten der Schutztruppe auch einige Inder und MLasuaheli als Händler im Land. Man sieht viele alte Leute, oft prächtige Typen, aber schwerlich gibt es Leute über 70 Tahre. Bevölkerung ganz seßhaft, lebt vorwiegend von Ackerbau, auch ausgedehnte Viehzucht. Jagd untergeordnet.
Wohnstätten und Einrichtung.
Die typische Form des Wohnhauses ist die Tembe, do. Fig. i a, b, c, und Abb. 2, 3, 4 (Tafel I). Die Temben sind an die Berghänge gebaut, manche teilweise in den Hang eingebaut, bei anderen wurde der Boden ringsum ausgehoben, alle aber sind ein wenig versenkt, d. h. Boden der Hütte etwas tiefer (io bis 20 cm) als äusserer Boden. Nur im südlichen Teile des Landes
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Der in den Boden versenkte Teil gestrichelt. Etwa 1 : 150.
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a, b Vertikalschnitte, c Grundriß.
R Rinder.
K Kleinvieh.
Schl. V. Schlaf- und Vorratsraum. x Trägerbalken.
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Fig. 1 . Hütten in Mburu.
der Mama Isara stark versenkte Temben. Grundriß quadratisch, Maße wechselnd, etwa zwischen 5 und 10 m Länge. Höhe innen ca. 1,70 m (konnte nur mit gesenktem Kopf darin stehen, bin Tür stets bergabwärts schauend. Die Anordnung