Teil eines Werkes 
T. 1 (1911) Aufgaben und Verlauf, die Karte, Ergebnisse der Sammlungen, Ethnographisches / von Fritz Jäger. Mit Beitr. von A. Wedemeyer ...
Entstehung
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klein würden und die Winkel nicht genau genug gemessen werden könnten. Man ziele vielmehr bei der gewöhnlichen Aufnahme auch ferne Punkte an und ziehe diese Strahlen möglichst lang bis zum Rand des Blattes aus. Unbedingt nötig aber ist es, eine Übersicht über die Triangulation zu gewinnen. Es ist dies um so notwendiger, als man nicht nach einem vorher bestimmten Plane arbeiten kann, son­dern der Plan erst während der Arbeit entsteht. Für die Übersicht genügt eine ganz rohe aus freier Hand gezeichnete Situationsskizze der Punkte. Diese aber versäume man ja nicht, denn nur durch eine solche Übersicht erhält man Rechenschaft dar­über, ob die ausgeführten Peilungen zur Konstruk­tion oder Berechnung des Netzes ausreichen, oder ob noch wesentliche fehlen oder als Ergänzung wünschenswert sind.

Bei meiner Aufnahme habe ich die Winkel dieses Hauptnetzes mit einem kleinen Hilde- b rand sehen Reisetheodoliten Nr. 2348 gemessen und dadurch wesentliche Verbesserungen erzielt. Einmal läßt sich mit dem Theodolit überhaupt ge­nauer messen, als mit dem Peiltisch, zweitens ver­meidet man die so wesentliche Fehlerquelle der Papierverzerrung. Doch braucht man sehr viel mehr Zeit als mit dem Peiltisch. Ausdrücklich möchte ich deshalb hervorheben, daß eine solche Triangulation auch ohne Theodolit, nur mit dem Peiltisch, der Wegaufnahme weit überlegen ist.

Eine noch ausgiebigere Benutzung des Theo­dolits, etwa statt des Peiltischs für die Kleintrian­gulation hätte die Genauigkeit nicht erhöht. So lange man ohne Signale arbeiten muß, kann ja, wie gesagt, häufig nicht einmal die Genauigkeit des Diopterlineals völlig ausgenützt werden. Es wäre also sinnlos, einen genaueren Apparat zu verwen­den, mit dem die Arbeit viel zeitraubender ist. Außerdem hätte ich mich dadurch des größten Vor­teils der Peiltischaufnahmen beraubt, der klaren Übersicht über die Topographie.

B. Einzeichnung der Situation und des Geländes.

Die Peiltischaufnahme bietet nicht nur durch die Triangulation eine viel genauere mathematische Grundlage, als die Wegaufnahme, sondern ihr Hauptwert liegt darin, daß die Topographie besser und gleichmäßiger dargestellt werden kann. Bei der Wegaufnahme können innerhalb eines schmalen Bandes längs des Weges mannigfache Einzelheiten angegeben werden, außerhalb des Bandes aber kaum das Wichtigste. Ein überblick, ein topographischer Zusammenhang über die ganze Fläche hin wird selbst bei ziemlich dicht verlaufenden Marschlinien

meist nicht gewonnen. Die Peiltischaufnahme aber geht von vornherein darauf aus, die ganze Fläche zusammenhängend zu überblicken und auf­zunehmen und verzichtet lieber auf Einzelheiten.

Schon dadurch, daß der Aufnehmer auf Aus­sichtspunkte sich begeben muß, gewinnt er einen guten Überblick über die Landschaft und das Ge­schaute kann er auf dem Peilblatt bequem nieder­legen. Wenn ich erst die gegenseitige Lage etlicher über die Gegend verteilter Punkte auf dem Papier festgelegt habe, so vermag ich es unschwer, zwischen diesen Punkten die ganze Topographie einzutragen. Genau richtig werden hierbei nur die durch Peilungen festgelegten Objekte zu liegen kommen, die dazwischenliegenden können nur schätzungsweise eingezeichnet werden. Doch ist es um so leichter, ihre Lage annähernd richtig zu treffen, als ja von hohen Übersichtspunkten aus die Gegend schon fast wie eine Landkarte vor dem Beobachter liegt. Er braucht nur dieses perspek­tivische Bild in die Kartenprojektion auseinander­zuziehen und zwar derart, daß die Abbilder der schon festgelegten Objekte auf den entsprechenden Punkten des Peilblatts festgenagelt werden. Außer­dem kann jeder beliebige Punkt des Geländes seiner Richtung nach durch eine Peilung festgelegt wer­den. Nur seine Lage auf dem Peilstrahl, sein Ab­stand vom Standpunkt bleibt der Schätzung über­lassen. Diese Schätzung ist nicht schwer, wenn be­nachbarte Punkte schon festliegen. Es empfiehlt sich namentlich, die vom Standpunkt aus äußersten Punkte einer Grenzlinie anzupeilen. D. h. man zieht die Tangente an die Linie, z. B. an eine Fluß­krümmung, ein Seeufer, einen Bergfuß, einen Wald­rand u. dgl. und weiß damit, daß die Grenze an keiner Stelle über diesen Peilstrahl hinausgehen darf.

So gewinnt man bei der Peiltischaufnahme gleich an Ort und Stelle eine in den Lagenverhält­nissen richtige Karte der Gegend.

Arbeitsweise im Aufnahmepunkt.

Die richtige Einzeichnung von Situation und Gelände ist allerdings erst möglich, nachdem man bereits von zwei Standpunkten aus die Gegend be- peilt und dadurch eine Anzahl von Punkten festge­legt hat, also erst von Standpunkt II aus, nicht von Standpunkt I. Um auch die topographischen Beob- 1 achtungen von Standpunkt I, d. h. so oft ich ein neues Peilblatt begann, festzuhalten und karto­graphisch zu verwerten, habe ich folgendeimaßen gearbeitet.

1. Ich zeichnete ein Rundpanorama. Das Zeichnen wird dadurch sehr erleichtert, daß man

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