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gegen die Nadel andrückt. Das Lineal hat eine kleine Kerbe von der halben Dicke der Nadel. Liegt die Kerbe an der Nadel an, so geht die Ziehkante genau durch den Mittelpunkt des Nadelstiches. Man muß daher den Peilstrich mit schaif gespitztem, hartem Bleistift hart an der Kante ziehen. Verwendet man eine zu dicke Nadel, oder liegt das Lineal nicht in der Kerbe an, so wird dei Strich exzentrisch, er läuft nicht durch die Mitte des Nadelstiches. Man kann diesen Fehler dadurch vermeiden, daß man die Bleistiftspitze in geeignetem Abstand an der Ziehkante entlang führt. Da die Kerbe in der Mitte des Lineals liegt, lassen sich nur Strahlen von der halben Länge des Lineals ziehen. Will man die ganze Länge ausnutzen, so muß man das dem Auge benachbarte Ende des Lineals an die Nadel anlegen. Es wäre daher zweckmäßig, hier die Kerbe oder eine zweite Kerbe für die Nadel anzubringen.
Mit dem Diopter kann man nur Objekte an- visieren, die nicht allzu w r eit von der Ebene des Tisches, d. h. von der Horizontalebene des Standpunkts, entfernt sind. Um auch hohe Bergspitzen anpeilen zu können, die weit über diese Ebene emporragen, ist an dem Diopterarm mit dem Spalt, der dem Auge zunächst liegt, ein zv r eites Diopter angebracht, mit welchem man durch Aufklappen des Arms nach beliebigen Höhen visieren kann. Ich habe bei meinen Aufnahmen dieses „Bergdiopter“ kaum benutzt. Da ich von den höchsten Bergen die Gegend aufzunehmen pflegte, habe ich vielmehr ein „Taldiopter“ oft vermißt, mit dem man Objekte unter der Ebene des Horizontes anpeilen könnte. Ein solches ließe sich an dem Diopterarm mit dem Faden, der vom Auge entfernt ist, ohne Schwierigkeit anbringen. Da es den bisherigen Instrumenten fehlt, half ich mir mit einem Lot, etw*a der an der Kette aufgehängten Taschenuhr. Damit bestimmte ich einen Punkt, der von meinem Standpunkt gesehen senkrecht über dem Objekt in geeigneter Höhe lag. Diesen peilte ich statt des gewünschten an. Natürlich ist dies nur ein Notbehelf. Die Peilung wird ungenau. Tndes, w r enn man steil bergab peilen muß, so ist ja das Objekt nicht w r eit entfernt und daher ist der Schaden nicht groß.
Mit dem Diopter peile ich ringsum alle bemerkenswerten Punkte an. Ich erhalte dadurch auf dem Peilblatt ein Strahlenbüschel, welches die Winkel, d. h. die Azimutdifferenzen der angepeilten Punkte, vom Standpunkt aus darstellt. Das Azimut, die wahre Richtung, ist noch unbekannt. Um dafür von vornherein einen Anhalt zu gewönnen, habe ich jedesmal mit dem Kompaß auch die magnetische Nordsüdrichtung auf dem Blatte eingezeichnet. So
erhielt ich später auch die magnetischen Deklinationen meiner Standpunkte. Das Wichtigste für die weitere Verwertung dieser Winkelmessungen ist, daß man sowohl den Standpunkt als auch die einzelnen Strahlen so genau bezeichnet, daß eine Verwechslung ausgeschlossen ist und man die Objekte von anderen Standpunkten aus wiedererkennt. Nur selten ist es möglich und für die Wiedererkennung ausreichend, daß man an die einzelnen Strahlen die Namen der Objekte hinschreibt Ich lasse vorläufig dahingestellt, wie die Bezeichnung der Strahlen dann geschehen kann.
Standpunkt II.
Für die weitere Aufnahme wühle ich unter den von I aus angepeilten Punkten einen Standpunkt II Dort stelle ich den reiltisch so auf, daß der seinerzeit von I nach II gezogene Strahl wieder in diese Richtung fällt. Zu diesem Zw r eck lege ich das Diopterlineal an den Strahl an und drehe dann die Tischplatte so lange, bis ich den Punkt I in der Zielrichtung des Diopters erblicke. Dann erst klemme ich sie fest. Alle von I gezogenen Strahlen liegen nun parallel zu ihrer ursprünglichen Richtung. Auf den Strahl I II bestimme ich jetzt den Punkt II. Kenne ich die Entfernung I II, so kann ich einen bestimmten Maßstab, z. B. i : iooooo wühlen. Damit ist der Abstand der Punkte I und II auf dem Zeichenblatt gegeben. In diesem Abstand von I stecke ich auf dem Strahl I II die Nadel auf. Sie bezeichnet Punkt II. Gewöhnlich aber kenne ich nicht die Entfernung. Wenn ich nun den Punkt II willkürlich auf den Strahl I II festsetze, so ist der Abstand I II auf dem Blatt und somit der Maßstab der Karte bestimmt, jedoch kenne ich ihn vorläufig nicht. Ich wühle den Abstand I II willkürlich so groß, daß das gewünschte Gelände auf das Peilblatt kommt. Nach vorläufiger Festsetzung des Punktes II peile ich einige der äußersten Punkte an, die noch auf das Blatt kommen sollen. Fallen die Schnittpunkte der Peilstrahlen mit den von I nach denselben Objekten gezogenen Strahlen noch in angemessenem Abstand vom Rand auf das Blatt, so ist der Punkt gut gewühlt. Andernfalls verkleinere oder vergrößere ich den Abstand I II.
Nach endgültiger Festsetzung des Punktes TI auf dem Kartenblatt werden alle die von I angepeilten Objekte, die ich wiedererkennen kann, wiederum angepeilt. Der Deutlichkeit wiegen ziehe ich die Peilstrahlen nicht ganz aus, sondern jeweils nur das Stückchen, das den von I nach demselben Objekt gezogenen Strahl schneidet. Die Schnittpunkte stellen die angepeilten Objekte in richtiger gegenseitiger Lage dar. (Prinzip des Seitwürts-Ein-