Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Asien.

Das kontinentale, trockene Klima Zentralasiens hemmte die Entwicklung' des Pflanzenlebens. Schon der nordwestliche Himälaya, dem nicht mehr die Monsunregen (s. Südasien) zu gute kommen, zeigt nicht das üppige Waldkleid des östlichen. Das Hochland von Pamir und die Hochländer Zentralasiens haben keinen Baumwuchs, weshalb man als Brennmaterial den trockenen Kot der Tiere benutzt. Die Mongolei weist im ganzen nur gegen 500 Phanerogame auf, und die Gobi ist eine der pflanzenärmsten Ge­genden der Erde.

Auch die Tierwelt Zentralasiens ist artenarm. Die großen Raubtierarten kommen wohl in der Mongolei vor, wo sie besonders auf Antilopen und die zahlreichsn Nagetiere, wie auch auf die Viehherden Jagd machen, nicht aber in dem hochgelegenen Tibet. Auf diesem weiden Herden des wilden Jack (einer kleinen Ochsen­art), der auch als Lasttier benutzt wird, des wilden Esels, von Antilopen und Gazellen. Im Gebiete des Altjaitag und der Wüste Taklamakan ist das wilde oder verwilderte Kamel, in der Dsungarei neben wilden Eseln auch eine wilde Pferdeart verbreitet.

b) Das Kulturbild.

Für die menschliche Besiedelung hat Zentralasien nur einen sehr geringen Wert. Ein großer Teil des Gebiets entfällt auf hohe, zum Teil schneebedeckte Gebirge, auf Stein- und Sand­wüsten, ein weiterer großer Teil ist Steppe, die höchstens etwas Viehzucht gestattet, und nur ein schmaler Randstreifen oder ein­zelne Oasengruppen zwischen Gebirge und Wüste bezw. Steppe sind für den Anbau geeignet. Die Möglichkeit desselben knüpft sich an die Verbreitung des fruchtbaren Lößes oder lehmiger Erde, die sich in Talmulden angesammelt hat, sowie an das Vor­handensein fließenden Wassers, das in zahlreichen Bächen den Randgebirgen entströmt oder an deren Fuße als Quellen zutage tritt. Die Verteilung von Steppen, Wüsten und Oasen ver­schiebt sich immer mehr zu Ungunsten des Menschen, indem die Winde, die dieselbe vorwiegend bewirkt haben, die Sandmassen immer weiter treiben. Hieraus erklärt sich die große Zahl von vergrabenen Städten, welche Sven v. Hedin z. B. in der Wüste Taklamakan aufgefunden hat. Auch die starke Gesteinsverwitte­rung infolge der schroffen Gegensätze des Klimas hat den Umfang des kulturfähigen Landes eingeschränkt; denn gerade die Gebirgs- lehnen und der Gebirgsfuß, die reich bewässert sind und ein günstiges Klima haben, wurden durch die massenhafte Ansamm­lung von lockerm Steinschutt in schauerliche Steinwüste, die die riesigen Wassermassen des Gebirges verschlingt, verwandelt. Viele abflußlose Gebiete sind auch wegen des großen Salzgehalts*) des Bodens für den Anbau nicht zu verwerten.

*) In dem an Salzseen sehr reichen nordwestlichen Teil von Tibet mußte Sven v. Hedin täglich nach Trinkwasser graben lassen.