Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
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Hoch- oder Zentralasien.

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2. Hoch- oder Zentralasien.

a) Das Landschaftsbild.

Der Hindu kusch verbindet die Faltenzüge Westasiens mit den viel gewaltigeren Hochgebirgsketten, welche den mittlem Teil Asiens durchziehen, der wegen seiner bedeutenden allgemeinen Höhenlage als Hochasien bezeichnet werden kann. Als Aus­strahlungsgebiet der zentralasiatischen Faltenzüge, die gleich den westasiatischen eine westöstliche Hauptrichtung haben, ist das Steppenhochland von Pamir zu betrachten.

Das durchschnittlich gegen 4 000 m hoch gelegene Hochland von Pamir hat eine viereckige Gestalt und ist etwa 80000 qkm groß, so groß wie Bayern. Es wird im S vom Hindukusch und dem Nordwestende des Karakorum, im 0 vom Mustagata- Gebirge (= Vater des Eisgebirges, früher Kisiljart-Gebirge ge­nannt), das bis zu fast 8000 m ansteigt, im W vom Oberlaufe des Amü-Darjä und im N von einem Nebenflusse desselben be­grenzt. Es senkt sich nach W, wohin die Gewässer in paralleler Richtung abfließen. Ihre Täler, welche durch niedrige Höhenzüge, die aber bis zu fast 6000 m absoluter Höhe ansteigen, getrennt werden, sind anfangs flach, vertiefen sich aber weiter nach W schluchtenförmig, so daß Wanderungen in der Meridianrichtung sehr erschwert sind.

Das WortPamir", das bald männnlicb, bald weiblich oder sächlich gebraucht wird, je nachdem man darunter den Landesteil oder die Steppe oder das Hochland versteht, bedeutet entweder, gleich dem spanischen Worte Paramo, eine hochgelegene, rauhe Steppe, wenn man einen türkisch-tatarischen Ursprang annimmt, oder es drückt die Lage des hochgelegenen Gebiets zu den Füßen noch höherer Gebirgsketten aus, falls die Ableitung vom persischen pai = Fuß und mir = Berg richtig ist. /Das Pamir ist infolge seiner hohen Lage und der kalten Nähe eisbedeckter Gebirge zu allen Jahreszeiten ein rauhes Land, das von heftigen Winden gepeitscht wird. Besonders im Winter bildet es eine furchtbare Schneewildnis. Das Hochland ist dann fast menschenleer, während im Sommer Kirgisen in den flachen Talmulden, die sie als Pamirs durch be­sondere Namen unterscheiden, ihre Herden weiden. Das Klima ist kontinental und arm an Niederschlägen. In 3 600 m Höhe wurde eine mittlere Temperatur im Jahr von1, im Januar von25 und im Juli von 17° C, sowie eine Nieder­schlagsmenge von nur 5 cm festgestellt, und als größte Wärme wurden 27 1 /2, als größte Kälte44° C beobachtet. Auch im Sommer sinkt das Thermometer nachts tief unter Null, während mittags eine ziemliche Wärme herrscht. So zeigte es an einem Julitage in 4080 m Höhe morgens früh19, mittags aber 19° C. In den geschützten Tälern trifft man Holzwuchs bis zu einer Höhe von 3 800 m an, während die Hochflächen wegen der rauhen Winde völlig kahl sind.

An das Hochland von Pamir setzen sich nach 0 drei große Faltensysteme an. Von seiner Südostecke zieht sich genau ost­wärts der Kuenlun^JQas Gebirge besteht aüs mehreren paral­lelen Faltenzügen.") Es hat eine ansehnliche Kammhöhe, aber keine bedeutenden Gipfel; die höchsten derselben sollen 56000 m hoch sein. Der Kuenlun kann (nach v. Richthofen) als das eigent-

*) Nach Sven v. Hedin.

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