Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

Afrika.

länge Stanley auf über 7500 km veranschlagt. Diesem groß­artigen Netz von schiffbaren Flußstrecken ist jedoch durch die Livingstone-Fälle am unteren Kongo die Verbindung mit der Welt­handelsstraße des Meeres abgeschnitten. Ehe an seine Ausgestal­tung ernstlich gedacht werden konnte, mußte diese Verbindung hergestellt werden. Zu diesem Zwecke wurde die 400 km lange Kongobahn mit einem Kostenaufwande von 48 Mill. M. gebaut.

Die Kongobahn beginnt in Matadi gegenüber Vi vi am untern Kongo und endet in Leopoldville am Stanley Pool. Der Bau wurde 1890 be­gonnen, und im Jahre 1898 konnte die wichtige Linie in ihrer ganzen Länge dem Betrieb übergeben werden. Große Schwierigkeiten bereitete besonders die Anfangsstrecke. Auf 7 km Länge mußte eine Steigung von 220 m überwunden werden. Die Babnlinie erreicht eine Meereshöhe von 745 m und fällt dann wieder. Der Bau der letzten Strecke erwies sich wieder als schwierig. Wie auf der Anfangsstrecke waren zahlreiche Schluchten und Bäche zu überbrücken.. Um Kosten zu sparen, wurde nur eine Spurweite von 0,75 m gewählt. Trotz­dem beliefen sie sich auf 120000 M. für jedes Kilometer. Infolge der hohen Baukosten ist das Reisen auf der Kongobahn noch teuer. Für die ganze Fahrt, welche etwa 20 Stunden beansprucht, sind von jedem Europäer 400 M. zu zahlen.

Wie vor der Eröffnung der Kongobahn durch die Livingstone- Fälle das ganze Kongobecken vom Meere abgeschnitten war, so ist sein oberer Teil durch die früher erwähnte Kataraktenzone (s. S. 53) ringsum vom untern geschieden. Die Schiffahrt erreicht an dieser überall ihr Ende. Um überall auch die obern Fluß­gebiete an das große Verkehrsnetz des Kongo anzugliedern, sind noch viele Bahnbauten nötig, die die Katarakte umgehen. Als die kürzeste Verbindung zwischen dem untern und- obern Kongo dürfte in der Zukunft der Lauf des Sankuru, der bis weit hinauf schiffbar ist, große Bedeutung erlangen. Geplant oder bereits in der Ausführung begriffen ist ferner eine Eisenbahn, die den Kongo mit dem Tanganjika-See verbinden soll und den ganzen Handel des Seengebiets nach der atlantischen Küste ablenken würde, zum Schaden der Entwicklung Deutsch-Ostafrikas.

6. Das Seenhochland von Ostafrika.

a) Das Landschaftsbild.

Aus dem Becken des Kongo steigt das Land ostwärts an; es bildet weite Hochflächen, die nach Ü zum Indischen Ozean wieder stufenmäßig abfallen. Durchschnittlich ist dieses Hochland Ost­afrikas 10001200 m hoch. Vom Njassa im S bis zum Roten Meere im N kann man dasselbe rechnen. In der Mitte, unter dem Äquator, ist es am breitesten. Nach N verschmälert es sich am meisten, und eine Einsenkung, in der abflußlose Seen liegen, schnürt dort das am höchsten aufragende Hochland vonAbessinien ab, das aber seiner ganzen Bildung nach zum ostafrikanischen Hoch­lande gehört.

Das Hochland von Ostafrika ist ein Gebiet, das von der Faltenbewegung der Erdrinde vollständig unberührt blieb, eine gewaltige Urgebirgsscholle,