Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Afrika.

Er schneidet also ziemlich genau mit dem tiefgelegenen Teil des Kongobeckens ab.

Fast ringsum, nämlich im W, NO und S, ist der große Kongowald von einem Savannengebiet umgeben. Auch in diesem kommen noch größere Waldstrecken oder sog. Galerie­wälder, die sich längs der Flußläufe hinziehen, vor, wie ander­seits der Urwald nicht, wie man anfangs glaubte, eine einzige, zusammenhängende Waldmasse darstellt, sondern hier und da von lichtem Wald, parkartigen Landschaften oder gar von richtigen Savanneninseln unterbrochen ist.

Ein ziemlich breiter Küstenstrich nördlich und südlich von der Kongomündung gehört nicht zum Kongosystem, sondern wird durch Küstenflüsse, die ziemlich bedeutend sind, entwässert, der nördliche durch den Fluß Ogowe, der südliche durch den Fluß Kuanza. Im Gebiet des letztern zeigt die Landschaft, da das­selbe vom Äquator schon weit entfernt ist und daher längere Trockenzeiten hat, meist das Bild der Savanne. Im Ogowe- gebiet, das unter dem Äquator liegt, zieht sich längs der Küste ein UrWaldgürtel hin, der nach N, auf den Regenwinkel von Kamerun zu, immer breiter wird.

b) Das Kulturbild.

Auf einem Eräraume, der erst vor noch nicht ganz 25 Jahren in den Kulturkreis der Menschheit getreten ist, und dessen Bewohner zum großen Teil damals noch Kannibalen, Menschenfresser waren und zum Teil wohl auch heute noch sind, können nur die Funda­mente zu einem KulturStaate*) gelegt sein. Wenn wir also den Raum dieses Abschnittes ausfüllen wollen, so kann es sich weniger um die Beschreibung des heutigen Kulturbildes, als um die Feststellung der natürlichen Hilfsmittel des weiten Kongogebiets für die Entwicklung einer höheren Kultur handeln.

Die Lage unter dem Äquator kennzeichnet das Kongo- becken als ein heißes Gebiet. Die Hitze ist jedoch nicht so groß, als man nach dieser Lage annehmen sollte. Im Innern wird sie durch die häufige Bewölkung des Himmels, an der Küste durch Nebelbildung, die durch das kalte Auftriebwasser des Ozeans hervorgerufen wird, gemildert**). Die durchschnittliche Jahr es wärme beträgt in Vi vi am untern Kongo 25°***). Das Kongogebiet gehört also durchaus nicht zu den heißesten Ländern der Erde. Es kommen Temperaturen von 12°15°, die man als verhältnismäßig niedrige bezeichnen muß, vor, und aus den Berichten

*) Der Unabhängige Staat des Kongo, an dessen Spitze der König von Belgien steht, wurde 1885 auf der Berliner Konferenz von den Mächten anerkannt.

**) Die nämliche Erscheinung lernten wir an der Westküste Marokkos kennen, vgl. S. 10.

***) Massaua am Boten Meer hat über 30° mittlere Jahreswärme.