Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Die Nilländer (ohne Abessinien.)

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des Flusses, Flußpferde, Krokodile, Fische und Wasservögel, war in kleineren und größeren Tümpeln zusammengedrängt, die gleich Tintenflecken auf dem hell­schimmernden Sande lagen.

Die kühle Nacht kam, und gegen neun Uhr lag ich", so erzählt der Forscher,auf meinem Bett am Flußufer, als ich einen Ton zu hören glaubte, der wie ferner Donner klang. Das dumpfe, ununterbrochene Rollen nahm an Stärke zu, blieb aber noch immer fern. Kaum hatte ich den Kopf gehoben, um aufmerksamer zuzuhören, als im nahen Lager der Araber ein Gewirr von Stimmen, verbunden mit dem Geräusch laufender Menschen, entstand und wenige Minuten später Araber in mein Lager stürzten und meinen Leuten in der Dunkelheit zuriefen:El bahr, el bahr!" (Der Fluß, der Fluß!).

Das große Ereignis war eingetreten, der Fluß war gekommen, wie der Dieb in der Nacht. Am Morgen des 24. Juni stand ich mit Tagesanbruch am Ufer des edlen Atbarastromes. Es war kein Tropfen Regen gefallen, alles war trocken und schwül gewesen. Gestern noch Dürre und Trostlosigkeit, und heute floß ein prächtiger Strom, fast 200 m breit und 57 m tief, durch die schreck­liche Wüste. Wo waren die zusammengedrängten Bewohner des Pfuhls ? Die Türen des Kerkers waren erbrochen, die Gefangenen hatten sich befreit und tummelten sich in den mächtigen Fluten des Atbara!"

Der Weiße Nil (Bahr el Abiad) ist der Abfluß des 68 500 qkm großen (etwas größer als Bayern) und 1200 m hoch gelegenen Viktoriasees, der das Sammelbecken für die ringsum aus hohen Gebirgen kommenden Flüsse ist. Als ein wasserreicher Strom verläßt er denselben, bildet mehrere Stromschnellen und erreicht den nur noch 670 m hoch gelegenen Albertsee, aus dem er auch den Wasserabfluß aus dem Edwardsee und von einem der höchsten Berge Afrikas, dem erst in jüngster Zeit be­kannt gewordenen Euwenzori (5000 m) empfängt. Nach dem Austritt aus dem Albertsee erweitert sich das Nilbett, dann folgt wieder eine kataraktenreiche Stromenge, bis der Strom in die weiten Ebenen des Sudan eintritt. Von W empfängt er den Bahr el G-hasal (gasäl= Gazellenfluß), der gleich dem Hauptstrome durch üppig wucherndes Gras und Schilf streckenweise fast verstopft ist. und von rechts den Sobat (ßobät). Die Richtung des Weißen Nils ist im allgemeinen eine nördliche.

b) Das Kulturbild.

Das untere Nilgebiet oder Ägypten. Ein arabischer Feldherr berichtete einst über Ägypten:Zuerst ist das Land ein See, dann ein Garten, zuletzt eine Wüste." Ein See ist Ägypten, wenn alljährlich der Nil das Land weithin überschwemmt, ein Garten, wenn auf den neu getränkten und durch den Nilschlamm neu gedüngten Äckern die üppigen Saaten aufsprießen, eine Wüste, wenn die Felder abgeerntet sind und der Frühsommer den Boden völlig austrocknet, so daß er in tiefen Rissen auseinanderklafft. Mit dem Steigen des Nils beginnt dann von neuem dieser Kreislauf des Jahres.

Auf den Überschwemmungen des Nils beruht die Frucht­barkeit Ägyptens. Ohne dieselben wäre das Land eine Wüste, die mit plötzlichem Übergänge da beginnt, wo der Boden vom Nil wasser