Die Nilländer (ohne Abessinien).
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sich nur Unredlichkeit, Treulosigkeit und Lügenhaftigkeit paaren. Hierzu tritt noch bei vielen Wüstenbewohnern ein schlimmer religiöser Fanatismus, der die Gier nach fremdem Gut zum Haß gegen dessen Besitzer steigert.
3. Die Nilländer (ohne Abessinien).
a) Das Landschaftsbild.
Im äußersten 0 Afrikas wird die Sandwüste der Sahara plötzlich durch den grünen Kulturstreifeu eines mächtigen Stromes, des Nils, unterbrochen. So plötzlich ist der Übergang, daß wir den Fuß schon auf grünes Land setzen, während der andere noch im hellen Sande knirscht. Wir sehen ein Bild, wie wir es nirgendwo auf Erden fanden, und der Anblick des mächtigen Stromes bezaubert völlig unsern Sinn. Woher seine Wasserfülle, woher die Fruchtbarkeit des Landes, das er durchfließt? Jahrtausende ist dieses Lebensbild der Natur der Menschheit ein Rätsel geblieben. Alte Kulturvölker, die an den Ufern des Nils zur Blüte gelangten, haben wohl dem mächtigen Strom ihre Dankbarkeit in ihren Kulturdenkmälern bezeugt, aber sein Geheimnis nicht ergründen können. Erst unsere Zeit hat den Schleier gelüftet Nichts hat dabei der Nil von seinem Ruhm eingebüßt, ja, die Kenntnis seines Geheimnisses wird für das Land neuen, größeren Segen bedeuten.
Von Alexandrien nach Kairo.
Es ist ein seltsamer Anblick, den das Mündungsland des Nils vom Meere aus darbietet. Dem Auge zeigt sich keine einzige hervorragende Erscheinung. Die Küste macht den Eindruck, als ob sie im Meere versinken wolle. Die Stadt Alexandria ragt aus der Ferne so wenig hervor, als wäre sie schon halb versunken. Erst bei der Einfahrt in den Hafen tauchen Moscheen und Palmen vor uns auf, und Häuser europäischen und arabischen Stils werden sichtbar.
Die Eisenbahnfahrt von Alexandria nach Kairo führt ebenfalls durch völlig flaches Land. Man sieht Maisäcker und Baumwollenfelder, aber grüne Wiesen fehlen. Mehr grau als grün ist die Farbe der endlosen Ebene. Mit trägem Laufe windet sich der JSTil, den wir bald überschreiten, durch dieselbe. Zahlreiche Kanäle blitzen auf, und das Auge folgt den langen Linien der Dämme, die das Land durchziehen und zugleich als Saumpfade dienen. Karawanen von Eseln oder Kamelen, die sich im Gänsemarsch auf ihnen bewegen, verraten dies. Die Ortschaften der Bewohner liegen auf maulwurfsartigen Hügeln, von Gruppen von Dattelpalmen umgeben.
Keine Erscheinung der Ferne lockte bisher das Auge. Doch dort, an jener Stelle zerreißt der Nebelschleier, und eigenartige Gestalten, riesengroß und von dreieckiger Form, erscheinen: Die ägyptischen Pyramiden. Sie wachsen mit der Nähe ins Riesenhafte. Dann wird eine rötlich gefärbte Bergwand sichtbar, und von einem Felsvorsprunge glänzen die goldenen Kuppeln und weißen Mauern eines prächtigen Baues, der Mehemed-Ali-Moschee. Ein Wald von schlanken Säulen, von Minarets, wächst aus dem Boden, Palmen und andere Bäume erscheinen, und nun begleiten uns grüne Gärten: wir sind in Kairo angelangt.