Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Das Wiistengebiet der Sahara.

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schaltet wird. Zahlreiche Windbeobachtungen an verschiedenen Orten der Sahara haben ergeben, daß diese ihre eigenen Winde erzeugt. Im Sommer ent­wickelt sich über ihr, infolge der sehr starken Erwärmung durch die senkrecht strahlende Sonne, ein barometrisches Minimum. Die erwärmte Luft steigt in die Höhe, und, um den luftverdünnten Raum auszufüllen, fließt kältere Luft aus den Nachbargebieten zu. Es scheint sogar, daß sich zwei sommer­liche Luft druck minima entwickeln, das eine in der Lybischen Wüste, das andere nordöstlich von Timbuktu. Die saugartig von allen Seiten angezogene Luft bringt keinen Regen, teils weil sie trockenen Gegenden entstammt und beim Hinfließen nach einer sehr heißen Gegend noch trockener wird, teils weil hohe Gebirge ihren Regengehalt schon aufgefangen haben. Im Winter wehen die Winde aus der Sahara heraus. Durch das Aufsaugen der Luft während des Sommers mußte sich allmählich ein hoher Luftdruck entwickeln. Wirksam konnte dieser allerdings erst werden, als das Aufsteigen stark erwärmter Luft infolge der Abkühlung der großen Landmassen Nordafrikas aufhörte. Regen­bringenden Winden ist nun erst recht der Zutritt abgeschnitten.

Indem wir die eigene Winderzeugung der Sahara zur Erklärung ihres trocknen Klimas benutzen, dürfen wir nicht außer Acht lassen, daß das Gebiet, ehe es völlige Wüste war, die Richtung der Winde noch nicht in solchem Maße beeinflussen konnte. Andere klimatische Vorgänge, die aber später ausgeschaltet wurden, müssen anfangs ein schon recht trockenes Klima hervorgerufen und die Wüstenbildung eingeleitet haben. Später aber wurden die Wirkungen zu neuen Ursachen. Dies trifftauch inbezug auf die Einwirkung des trockenen, kontinentalen Klimas auf die Bodenbildung der Wüste Sahara zu.

Das trockene, kontinentale Klima bedingt starke Wärmeschwankungen zwischen Tag und Nacht. Die Sonne erwärmt die nackten Granitfelsen tagsüber bis auf 70 oder gar 80°. Nachts aber strahlt die Wärme schnell aus und der Boden kühlt sich stark ab. Die tägliche starke Erwärmung und Abkühlung wirkt auf das Gestein zerstörend ein. Da die Gesteinsmasse von jenen Ein­wirkungen nicht überall gleichmäßig getroffen wird, bilden sich Risse, und schließlich fällt der Fels auseinander. Durch die fortschreitende Zerstörung des Felsbodens wurde die Entwicklung des Pflanzenwuchses, die ohnehin unter der Trockenheit und den kalten Nächten sehr leidet, immer mehr gehemmt. Es entstanden schließlich die sehr pflanzenarmen Fels- und Steinwüsten der Sähara. Die noch pflanzenärmeren Sandwüsten bildeten sich in den Gebieten, wo der Boden aus dem weichen und feinkörnigen Sandstein besteht. Eine große Rolle hat dabei der Wind gespielt. Er treibt die losen Steintrümmer mit großer Kraft über den Boden und schleift dabei sowohl von jenen als auch von diesem feine Teilchen ab. Allmählich bildet sich so das Sandmeer der Wüste, das die Stürme ähnlich wie die Wogen des Ozeans bewegen, Dünen­berge und Dünenketten aufbauend und wieder abtragend, verschiebend und wieder von neuem gestaltend. Der Sand erstickt, weil er stärker austrocknet, noch mehr als loses Steingeröll das pflanzliche Leben und läßt die fürchterlichsten Öden der Wüste entstehen.

l>) Das Kulturbild.

Es wurde schon an früherer Stelle ausgeführt, daß die Sahara nicht überall Wüste und nicht überall, auch abgesehen von den Oasen, ohne Pflanzenwachs sei. Auf S. 15 wurde die Größe der Steppengebiete zu IV2 Mill.. die des Kulturlandes zu 200000 qkm angegeben. Letztere Fläche entspricht etwa der Größe Süddeutsch­lands- und der thüringisch - sächsischen Staaten. Die kultur­fähigen Gebiete der Sähara sind jedenfalls noch beträchtlich größer. Wo sich ein reicheres Pflanzenleben zeigt, ist gewöhnlich auch Aussicht vorhanden, eine Kulturoase zu schaffen. Es fehlt nur das befruchtende Naß. es gilt, das Grundwasser, das in den

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