Vierter Teil. 1890—1896.
1. Entwicklung der Kolonialverwaltung unter KolonialdireKLor Dr. Aayser.
eichstanzler Fürst Bismarck ist, wie selbst seine wärmsten Verehrer einräumen müssen, trotz aller seiner Anstrengungen nicht in der Lage gewesen, die Erwartungen, die er durch den Erwerb von Kolonien wachgerufen, zu erfüllen. Er blieb sich aber auch selbst trotz allem, was er zur Verteidigung der unerwarteten Nachwirkungen seiner Maßnahmen auf kolonialem Gebiete gelegentlich an Zukunftserwartungen äußerte, der wahren Sachlage stets klar bewußt. Soweit wie irgend möglich, bremste er daher bei jeder Gelegenheit. Die zurückhaltende Stellung, die er beim Ausbruch der Unruhen in Ostafrika dem Drängen der Kolonialheißsporne gegenüber beobachtete, ist dafür bezeichnend.
Mit seinem Sturz änderte sich das. Der General v. Cavrivi wußte von der Kolonialpolitik im allgemeinen und den deutschen Schutzgebieten, wie er mehrfach offen bekannte, noch weniger als sein Vorgänger. Er äußerte gelegentlich, daß er es als ein Unglück betrachten würde, wenn ganz Afrika dem Deutschen Reiche geschenkt würde. Daß andere Mächte an dieser Last mittrügen, sei als ein Vorteil zu begrüßend) Die Erbschaft war aber da. Es blieb nichts übrig, als sie festzuhalten und an ihrer Verwertung nach Kräften und bestem Wissen zu arbeiten. In dieser Hinsicht war der General v. Cavrivi noch mehr als der im politischen Leben ergraute Bismarck auf die Auskünfte und Ratschläge seiner Beamten angewiesen. Und deren Stellung war leider nicht mehr so fest wie während der Amtstätigkeit des seiner Macht lange Zeit so sicheren Fürsten Bismarck. Sie mußten Rückhalt in der öffentlichen Meinung und bei .Persönlichkeiten suchen, die an den
Reichstagsverhandlungen 17. Februar 1394.