3. Der Beginn kolonialer Politik.
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3. Der Beginn Kolonialer Politik.
Die Bewegung der öffentlichen Meinung zugunsten von Aolonialerwerbungen, die nicht endenrvollenden Vorschläge betreffs Kauf oder Besitznahme einzelner von fremder Annexion be-
von reinem Patriotismus beseelt sind! Wenn ich hätte Ew. Durchlaucht vor dem erdrückenden Übergewicht des Vorstands-Kolosses bewahren können, ich hätte es mit Freuden getan. Oft habe ich mich Ew. Durchlaucht zur Verfügung gestellt, aber meine Dienste wurden nicht gebraucht. Ich war ja nicht einmal das fünfte Rad am Wagen, denn das aus vier Personen bestehende Präsidium hat mich nicht einmal um meine Meinung befragt! Wenn ich nun sehe, daß die Auswanderungsfrage, die wir absichtlich bei Gründung des Vereins zurückstellten, in den Vordergrund tritt, wenn ich ferner sehe, daß die vor Jahresfrist von uns allen getadelte Paraguay-Politik gebilligt wird, dann bleibt mir in der Tat nichts übrig, als zurückzutreten." — Herr v. Maltzan hat sich von diesem Augenblick an von dem Kolonialverein völlig zurückgezogen. Er erwartete nichts Ersprießliches mehr von ihm. Wie er, dachte Herr Friedrich Colin. Als derselbe von seiner Reise zum Dubreka zurückkehrte, schrieb er Maltzan am 4. Januar 1334: „Der „Kolonialverein" ist übrigens für mich tot und abgemacht und ich höre von vielen Freunden und Bekannten, daß der Glaube an irgendeine ersprießliche Tätigkeit des Vereins dahin ist. Es gab nur eins, das war, Sie zum Manager des Vereins zu machen; man hat dies nicht getan, der Fehler ist heute schwer, fast unmöglich zu reparieren, darum sind wir um eine schöne Hoffnung ärmer und um eine Erfahrung reicher geworden und als Gründer dieses Vereins „blamoren". Dieses unbehagliche Gefühl nimmt uns kein Mensch mehr ab, und da ist das beste, wegzubleiben." — Die einzige Frucht der angestrengten Bemühungen des Jahres 1332 in der kolonialen Sache war für Maltzan ein Theaterstück. Er machte es wie Goethe, er schrieb sich das, was ihn drückte, von der Seele. In dem vieraktigen als Zeitbild bezeichneten Drama „Der Verein" hat er die Erinnerung an die Frankfurter Tage und Männer niedergelegt. An die Stelle des kolonialen ist ein anderes Unternehmen gesetzt, aber sonst sind alle die Stimmungen und Tatsachen jener Tage sehr getreu, wenn auch mit starkem Spott wiedergegeben. Die Hauptszene ist eine Schilderung jener Frankfurter Vorstandssitzung, wo man sich um nichts als die Bildung eines Bureaus und Wahl von Sekretären stritt, ohne sich um die zu erreichenden Zwecke auch nur zu kümmern. In den Gestalten des Abgeordneten Hofrat Salz, Stadtrat Nickkops, Rentier Strohkopf und der Redakteure Fedor Schmidt, Dr. Schwarz, Grauoenzer hat Maltzan seine Widersacher scherzhaft, wenn auch nicht ohne Bitterkeit, gezeichnet, während er sich selbst in der Rolle eines armen, von allen Seiten gemißhandelten Nechts- anwalts gefällt. — 1391 ist Maltzan einem Ohrenleiden zu Berlin erlegen.