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Geschichte der deutschen Kolonialpolitik / von Alfred Zimmermann
Entstehung
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Erster Teil.

Die Anfänge.

1. Drang nach Kolonialen Erwerbungen.

ie für die Mehrzahl der Zeitgenossen überraschenden großen Erfolge Preußens in den Jahren 1364 und 1866, der mächtige Aufschwung, den sein geschäftliches Leben damals nahm, veranlaßten ein neues Aufleben der im Herzen weiter Ve- völkerungsschichten schlummernden Neigung für Erwerb überseeischer Besitzungen. In den 40er und 50er Iahren hatte dieses Streben zu den abenteuerlichen Ansiedelungsversuchen in Texas und Mittel­amerika geführt.^) Ihr wenig befriedigender Ausgang hatte die Bewegung einst zum Stillstand gebracht. Jetzt begann sie sich stärker als zuvor zu rühren. Verschiedenste Gegenden der Welt wurden gleichzeitig ins Auge gefaßt. Deutsche Kaufleute in Valparaiso regten Besitzergreifung von Patagonien an; Missions- kreise suchten die Aufmerksamkeit der Regierung auf Neu-Guinea zu lenken; andere rieten zur Besetzung Madagaskars oder der Suluinseln. Der Sultan der letzteren wurde veranlaßt, um preu­ßischen Schutz für Sulu und Nord-Vorneo zu bitten. Auch der Ankauf des dänischen San Thomas und des holländischen Surinam oder Europas wurde empfohlen. Während die meisten dieser Vorschläge nicht in der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden oder nur wenig Beachtung fanden, machte die Kunde vom Schritte des Sulu-Sultans Aufsehen, da sie von Hongkong aus in die Zeitungen gelangt war. Spanien beeilte sich, darauf aufmerksam zu machen, daß die Suluinseln von alters her ihm gehörten. Der Schritt des Sultans sei wahrscheinlich durch Spaniens Maß-

Siehe das Nähere in meiner Preußisch-deutschen Handelspolitik. Olden­burg u. Leipzig 1392.

Zimmermann, Geschichte der deutschen Kolonialpolitik. j