Gesamtzahl der Deutschen. Berufliche Stellung.
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Hierzu wären, um das Ergebnis zu vervollständigen, nur noch die deutscheu Katholiken hinzuzurechnen; da sie jedoch eine besondere Gemeindeorganisation nicht besitzen, läßt sich auch über ihre numerische Stärke nichts gewisses sagen: sicher ist nur, daß sie, wie man aus der landschaftlichen Herkunft der Einwanderer schließen darf, bedeutend weniger zahlreich als die Evangelischen sind. Berücksichttat man alle diese Momente, so ergibt sich, daß die übliche Schätzung auf nicht ganz 100 000 Deutschsprechende — Jung zählt einschließlich Neu- Seelands 106 500 — ungefähr das richtige trifft.
Tabelle der Deutschen in Australiens)
Staat
Im Deutschen Reich Geborne
In Oesterr.- Ungarn Geborne
In der Schweiz Geborne
Gesamt-
Be- völkerung
Gesanil zahl der Deutschen") (Schätzung»
Zählung v. 4. 5.1891
Zählung V0M 31.
März 1901
Queensland - . Neu-Süd-Wales Victoria. - - Südaustralien . Westaustralien. Tasmanien . .
14 917 9 565 10 775 3 553 290 913
13 166 3 716 7 615 6 663 1 527 773
Proz. 2,65 0,64 0,64 1.34 0,83 0,45
240 667 404 164 413 23
441 454 903 105 113 19
496 596 1 354 846 1 201 070 362 604 134 124 172 475
33 000 10 000 15 000 30 000 2 000 1 000
Summe
45 013
33 460
0,50
1 916
2 040
3 771 715
96 000
Aus der vorstehenden Tabelle ist nur noch hervorzuheben, daß sich nur in Westaustralien die Zahl der Reichsbürtigen von 1891 aus 1901 gehoben hat, und zwar um ein bedeutendes, so daß man schließen darf, daß die Zuwanderung nach diesem Staat in dem fraglichen Jahrzehnt besonders stark gewesen sein muß.
Unter den hunderttausend Deutschen sind natürlich die verschiedensten Berufe vertreten; aber bei weitem der größere Teil ist sicherlich der Landbevölkerung zuzuzählen, da gerade in denjenigen Staaten, die die zahlreichste deutsche Bevölkerung ausweisen, Südaustralien und Queensland, das Deutschtum fast ausschließlich auf der breiten Schicht deutscher Bauern beruht. In den Städten gehören die Deutschen — und das ist ein Umstand, durch den sich das australische Deutschtum von dem so mancher anderer überseeischer Länder unterscheider — nicht so sehr dem Handels-, sondern vornehmlich dem Handwerkerstande an; namentlich unter den Bäckern, Fleischern und Schuhmachern trifft man viele Deutsche, und von den Uhrmachern und Optikern wird sogar gesagt, sie seien sast alle deutscher Herkunft. Ein deutscher Großkaufmannsstand hat sich dagegen, wie bereits erwähnt wurde, angesichts der regen Betriebsamkeit der englischen Australier nicht auszubilden vermocht.
Auch in die gelehrten Berufe finden die Deutschen, von den Psarrern und Lehrern abgesehen, bisher nicht recht Eingang: nur gering ist die Zahl der deutschen Juristen, Aerzte und Ingenieure.
Der eigentliche Repräsentant des australischen Deutschtums ist uud bleibt daher der deutsche Kolonist, dessen Tüchtigkeit auch von den eingesessenen Engländern nach Gebühr anerkannt, wohl auch ausrichtig bewundert wird. Als
Vgl. F. Zahn, Die Deutschen im Auslande usw., S. 7'u. 10. ') Nach den Schätzungen Jungs in seinem oben genannten Buche; die Zahl für Westaustralien mußte jedoch von 1500 auf 2000 erhöht werden. Siehe darüber unten S. 420 und Deutsches Handelsarchiv 1905, II, 354 f.